Veloreise 2017

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23. Oktober: Zagreb

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Reiseberichte

Sizilien

Salve e bon giorno

Von Dover sind wir mit der Fähre am frühesten Morgen nach Dunkerque in Frankreich übergesetzt, von wo aus wir dann nach Oostende, dem nächsten Bahnhof in Belgien gefahren sind. Eine schöne, flache Strecke, durch viel bewohntes Gebiet, zuerst in Frankreich und später in Belgien. Es ging erstaunlich gut, sich auf das Französisch einzustellen. Der Käse, den wir lokal gekauft haben, war auch sehr lecker.

In Belgien konnten wir von den tollen Fahrradwegen profitieren und sind so gut voran gekommen.

Von Oostende sind wir am gleichen Abend mit dem Zug nach Vervier, wo wir in einem sympathischen, kleinen Hotel übernachtet haben, bevor wir einen ganzen Tag via Aachen und Köln nach Dresden gefahren sind. Da der ICE keine Fahrräder mitnimmt, mussten wir uns mit einer viel zeitaufwändigeren Fahrt mit ICs begnügen.

In Dresden durften wir uns bei Johannes einquartieren, den wir in Holland am Computercamp kennen gelernt haben. Johannes hat uns auch viel von Dresden gezeigt: Die alternative Neustadt, wo früher spontan auf der Strasse gegrillt wurde und auch heute noch die Partyszene ist, einen der lokalen Hackerspaces, wo wir oft gekocht haben, mit vielen interessanten Leuten gequatscht haben, und ins Internet konnten und die grüne Elbe, die dank Schwemmgebiet ein beliebtes Naherholungsgebiet mitten in der Stadt ist. Wir haben uns natürlich auch die Altstadt angesehen, die “historisch” wieder aufgebaut wurde und den Turm der Frauenkirche erklommen, von wo man einen herrlichen Ausblick über die Stadt hat.

Eines der Highlights war der internationale Garten, in dem Johannes ein Beet hat, und wo wir zum Erntedank- / Gartenfest eingeladen waren mit leckerem internationalem Essen und Schlangenbrot (Stockbrot) am Lagerfeuer.

Wieso wir diesen Haken nach Dresden geschlagen haben? Christoph hatte da ein Vorstellungsgespräch, hat die Stelle nach guter Überlegung dann doch abgelehnt.

In Dresden haben wir dann schweren Herzens unsere Räder und das Campingequipment per Bahn zu Bekannten in Jestetten (D) geschickt, um noch knapp drei Wochen ans Mittelmeer zu Reisen. Mit dem Zug fuhren wir entlang der Elbe und durch die sächsische Schweiz nach Prag und dann per Flugzeug (Ja, wir sind tatsächlich trotz allen Umweltzweifeln mit dem Flugzeug geflogen) nach Catania auf Sizilien. Wir wurden auch sofort bestraft, Angelas Check-in Gepäck mit den Regenklamotten ist nicht angekommen und auch drei Wochen später noch nicht wieder aufgetaucht.

In Catania, der zweitgrössten Stadt Siziliens, war es dann schwieriger als erwartet, zwei Velos für ein paar Tage zu mieten. So führte uns die Suche auch in eher zwielichtige Ecken und das Rotlichtviertel, bis wir in zwei verschiedenen Läden zwei passende Drahtesel gefunden hatten. Hauptproblem war, dass man entweder Mountainbikes ohne Gepäckträger oder Citybikes mit Gepäckträger aber nur 6 Gängen bekommt. Wir hätten die Tourenräder doch bei einem lokalen Club mieten sollen, die nur eine Internetseite, aber keinen Laden haben. Das hätte uns viel Zeit gespart.

Um noch etwas Zeit zu schinden (vielleicht kommt ja das Gepäck noch) und weil es in Strömen regnete, blieben wir einen Tag länger als geplant in Catania und haben eine sehr spannende Ausstellung über M.C.Escher besucht, die seine künstlerische Laufbahn und viele Werke ausstellte und erklärte.

Ansonsten ist Catania keine sehr schöne Stadt. Es hat viel zu viele Autos und die überwiegend barocke Bausubstanz im Zentrum wirkt heruntergekommen und nur selten gut gepflegt abgesehen von einigen Touristenecken.

So war es dann eine Erleichterung die Stadt zu verlassen und drei Tage durchs Hinterland zu radeln. Die ersten Stunden waren noch nass, doch dann wurde es zu unserer Erleichterung wieder sonnig und sommerlich warm. Das Navigieren war eine Herausforderung. Plötzlich sind Strassen gesperrt, was uns zu teils weiten Umwegen und vielen zusätzlichen Höhenmetern gezwungen hat. Grundsätzlich gibt es erstaunlich viele geteerte Strassen im bäuerlichen Hinterland, so dass wir annehmen, dass gewisse Strassen nicht mehr unterhalten werden oder sich eine Reparatur nach einem Erdrutsch nicht lohnt und diese Strassen darum gesperrt sind. Die Strassen im Hinterland sind für Autos auch eher auf der gemeingefährlichen Seite, denn es kommt nicht selten vor, dass Strecken in super Zustand sind und plötzlich kommt man an eine Stelle, wo sich der Belag abgesenkt hat oder massive Löcher sind. So nutzen die Anwohner wenn irgend möglich die Autobahn, was das Velofahren sehr angenehm macht.

Ein erstes Zwischenziel war die römische Villa del Casale, eine pompöse Villa die ca. 350 nach unserer Zeitrechnung mit allem Schnickschnack wie Thermalbad mit Zentralheizung und bewässertem WC gebaut wurde. Die Räume sind üppig mit Frescos an den Wänden und aufwändigen Mosaiken am Boden ausgeschmückt, die oft auch Alltagsszenen oder Legenden erzählten. Das grösste davon ist über 60 m lang und zeigt, wie wilde Tiere in Afrika und Indien für den Zirkus eingefangen und mit Schiffen nach Rom transportiert wurden.

Von da aus sind wir dann über eine erstaunlich ruhige und breite Hauptstrasse ins Haupttal gefahren, wo wir die Autobahn und Eisenbahnlinie von Catania nach Palermo kreuzten, um danach gleich wieder die nächste Hügelkette hinauf zu fahren nach Regalbuto. Ein schöner sonniger Tag, an dem wir auch immer wieder schöne Ausblicke zum Ätna hatten und uns ein Gefühl gegeben hat, wieso andere Velofahrer immer wieder nach Sizilien zurück kommen.

Danach war es nur noch ein kurzes Stück bis nach Catania, welches aber ausreichte um die 8000 km zu füllen. Dort brachten wir unsere Fahrräder wieder zurück und nach einem Grosseinkauf setzten wir unsere Reise per Segelboot fort.

England Teil 3, Land's End bis Dover

Hou oder Dydh da (Das ist Cornisch)

Land's End selber hat ausser ein paar, sehr auf Touristenabzocke bedachten Läden für Cornisch Pastry nichts zu bieten. Aber nur eine Handvoll Kilometer weiter gibt es einmalige Reiseziele.

Eines davon ist das Minack Theater, ein Freilichttheater, das regelrecht in die Klippe hinein gehauen wurde. Die Kulisse ist spektakulär, die Zuschauerplätze nur für schwindelfreie.

Christoph hatte mal wieder ganz eigene Gründe, wieso er ans Ende der Welt fahren wollte: Diese abgelegene Gegend, die heutzutage eigentlich nur noch für Milchprodukte (Clotted Cream) bekannt ist, war früher weltweit bedeutend wegen Zinn- und Kupferminen und etwas später als Zentrum für die weltumspannende Nachrichtenübertragung.

Im kleinen engen Tal von Porthcurno ist das Telegraph Museum, in dem die Gechichte der Unterseekabel und der dazu verwendeten Telegraphen gezeigt wird. In diesem Tal wurden seit dem Jahr 1870 Unterseekabel für Morsetelegraphie an Land gebracht (am Schluss 14 Stück) und ermöglichten so die Kommunikation nach Ägypten, Indien und bis nach Neuseeland. Diese Kabel waren natürlich kriegswichtig und entsprechend wurde dieses Tal gut beschützt. Während dem 2. Weltkrieg wurden die ganzen Anlagen in einen extra gebauten Bunker verlegt, der heute auch zum Museum gehört. In späteren Jahren war die ganze Telegraphie automatisiert aber die Station, die heute als Museum dient, blieb als Ausbildungszentrum für die weltweit im Einsatz stehenden Techniker und Operateure im Einsatz.

Auch heute kommen in diesem kleinen Tal immer noch Unterseekabel an Land. Derzeit sind es wieder 14 Kabel mit je 8 oder mehr Glasfasern darin und weitere Glasfaserkabel kommen an anderen Stellen hier in der Gegend um Land's End an Land. Diese Kabel transportieren einen grossen Teil der transkontinentalen Daten unserer täglichen Internetnutzung.

Das sind aber nicht die einzigen bedeutenden Bauwerke in Cornwall. In der Nähe des südlichsten Punkts von England, dem Lizard Point, gibt es ein sehr windiges Feld über den Klippen bei Poldhu mit freier Sicht auf den Atlantik. Dieses Feld wurde von Gugliermo Marconi ausgesucht um 1901 die erste Funkübertragung über den Atlantik durchzuführen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man zwar innerhalb von Minuten nach Neuseeland telegraphieren aber nicht mit Schiffen hinter dem Horizont kommunizieren. Dank den theoretischen Arbeiten von James Clark Maxwell und den praktischen Versuchen von Heinrich Herz war für Marconi klar, dass eine solche Übertragung möglich sein muss und experimentierte über Jahre mit Funkübertragung und beschaffte die nötigen Mittel für eine Sendestation in Poldhu. Dies war der Start in das kommerzielle Funkzeitalter.

Heute erinnern ein paar Fundamentüberreste und ein Informationszentrum an diese Pionierzeit. Betrieben wird das Marconi Center vom örtlichen Amateurfunkverein (GB2GM). Die Mitglieder wissen natürlich ganz viel zu erzählen über die Anfänge, den Ort und was sich seither so alles getan hat in der Welt der Funkkommunikation. Und gefunkt wird dort auch heute noch!

Aber zurück zur Gegenwart. Unsere nächste Destination war eine ehemalige Tagebaugrube für weisse Tonerde (aus der Porzellangegenstände gemacht werden). Diese ehemals leblose Grube wurde unter dem Namen Eden Project seit 1995 aufwändigst in einen riesigen Garten verwandelt mit verschiedenen Aussenbereichen und zwei Biosphären (grosse, kuppelförmige Gewächshäuser).

In einer der Biosphären waren Pflanzen aus verschiedenen Regenwäldern zu sehen und es wurde neben der Beschreibung der Pflanzen und deren Bedeutung auch auf die Probleme und Arbeitsbedingungen bei Bananenplantagen (in Grossbritannien sind gerade mal 10% der Bananen Fair-Trade), der Urwaldzerstörung und ausbeuterischen Zuständen (inkl. Kinderarbeit) bei der Palmöl Herstellung und der nachhaltigen Gewinnung von Latex (Natürliches Gummi) eingegangen. Die zweite Biosphäre beherbergt Pflanzen aus heissen, trockenen Regionen wie dem Mittelmeer, Australien und Südafrika. Geblieben sind uns die zwei Bereiche, in denen die Sortenvielfalt von Tomaten und Chillies präsentiert wurde.

Auch im Aussenbereich gab es viel zu entdecken, von medizinisch genutzten Kräutern, Gemüse und Früchten aus der Region, Pflanzen die traditionell zum Färben genutzt wurden und auch einfach nur schöne Blumen. Sehr spannend war auch der Lehrpfad zur Pflanzenentwicklung, resp. wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat, mit dazu passender Vegetation, oder zumindest die Pflanzen, die seit dieser Zeit überlebt haben.

Übernachtet haben wir vorher in der Jugendherberge, die gleich neben dem Eden Project errichtet wurde. Statt einem grossen Gebäude wurden dutzende 20 Fuss Container zu 4er Zimmern mit Dusche umgebaut. Zwei Zimmer hatten in einem Container Platz. Etwas eng, aber für eine Nacht war es ein Erlebnis.

Da wir schon bei Warmshowers in Plymouth für den gleichen Abend eingeladen waren, haben wir den Zug genommen, statt die Tagesetappe mit dem Fahrrad zu bestreiten, was uns mehr Zeit für den Garten gegeben hat. Glücklicherweise begann es erst zu regnen, als wir auf dem Weg zum Zug waren, dafür dann aber so richtig. Vom Bahnhof der Hauptstrasse entlang den Berg hoch zu strampeln, in strömendem Regen, in der Dämmerung und während der Stosszeit, waren die nervenaufreibendsten zwanzig Minuten der ganzen Reise. Patschnass anzukommen und dann von einer freudig lächelnden, fremden Person herzlich begrüsst zu werden, ein unbeschreibliches Gefühl.

Von Plymouth aus hatten wir mehrere Möglichkeiten, um weiter zu fahren. Wir haben uns dafür entschieden, einmal quer durchs Dartmoor zu fahren. Es war windig (zum Glück im Rücken), kalt und nass, fürs Mittagessen haben wir in einem Bushäuschen Schutz gesucht.

Doch kaum waren wir über den Berg rüber, hat der Regen nachgelassen und es ist sogar noch etwas die Sonne raus gekommen. Die wilde Heidelandschaft war die Strapazen jedoch wert, auch wenn es nicht so schön violett geblüht hat, wie im Exmoor.

In Exeter sind wir gerade noch pünktlich für den Even Song in der berühmten Kathedrale angekommen. Der Gesang hat das erste Mal ein Heimweh und das Bedürfnis nach Singen im Chor bei Angela geweckt. Sogar Christoph war nicht unberührt, obwohl es ein Gottesdienst war.

In Exeter haben wir auch unseren Lieblingswitz entdeckt:

What is the best thing about Switzerland? I don't know but the flag is a big plus.

Was ist das Beste an der Schweiz? Ich weiss es nicht, aber die Flagge ist ein grosses Plus.

Am nächsten Morgen konnten wir bei strahlendem Sonnenschein unsere lange Etappe entlang der Jurassischen Küste beginnen. Diese ist geologisch spannend, weil hier 240 Mio - 65 Mio Jahre alte Erdschichten zu sehen sind, bei Exmouth die ältesten, gegen Osten immer jünger werdend. In dieser Zeitspanne waren die Kontinente noch stark in Bewegung und England war zeitweise unter und über Wasser, wodurch es auch fossilienreiche Schichten gibt. Auch die Farbe ändert sich, von gelblich und rötlich, zu eher gräulich und weiter östlich dann weiss, teils mit Muschelablagerungen, wie man sie auch von Dover her kennt.

An alle Geologen, bitte entschuldigt die Vereinfachung. Wer sich dafür interessiert, es gibt in Lyme Regis ein Fossilienmuseum, das auf den ersten Blick altmodisch und muffig wirkt, aber die ganze Erdgeschichte sehr informativ aufbereitet und wunderschöne Exponate ausstellt.

Ausser den Fossilien ist die Gegend auch landschaftlich ein Genuss, eine Wanderung zum Golden Cap, dem höchsten Punkt an der Südküste mit 191 m.ü.M. ermöglichte uns einen Blick entlang der gesamten Jurassic Coast.

Auch die Durdle Door, ein vom Meer in den Fels gearbeitetes Tor, war einen kurzen Abstecher wert.

Die Strecke entlang dem Meer musste hart erarbeitet werden, da die hohen Klippen immer wieder von Flusstälern durchschnitten sind, was dazu führt, dass die Strassen steil sind. Dies haben wir uns später etwas erspart, indem wir mehr Inland gefahren sind. Auch Portland, eine Halbinsel am Ende der Jurassic Coast, wo die Steine für viele berühmte Gebäude, wie z.B. das weisse Haus in Washington herkommen, haben wir wegen Unwetterwarnung dann auslassen müssen, das wären nochmals 20 km Weg gewesen. Die dunklen Wolken sind zum Glück mehrheitlich hinter uns durchgezogen.

Von Lymington aus sind wir am nächsten Tag auf die Isle of Wight. Die Insel war eine angenehme Abwechslung, landschaftlich abwechslungsreich mit vielen Aussichtspunkten, die Steigungen gering und alle Strassen frisch geteert. Wenn die Strasse mal glatt und eben ist, kommt man gleich wieder viel besser voran. Leider ist dies generell in England selten der Fall. Einen Zeltplatz zu finden hat sich dann erstaunlicherweise als schwierig herausgestellt. Die Campingplätze auf der Karte haben sich mehrheitlich als Holiday Parks herausgestellt, wo man einen Caravan für eine Woche mieten muss.

In Chichester haben wir den Abend mit Philippe verbracht, einem Freund von Christoph der nun seit drei Jahren in der Gegend lebt für seine Pilotenausbildung. Es war ein sehr gemütlicher Abend und es war schön jemanden zu haben, um die ganzen Eindrücke mit jemandem zu teilen und zu diskutieren der in der Zwischenzeit auch ganz schön rumgekomen ist in England.

Von Littlehampton war es nicht mehr weit bis Brighton, wo wir uns den Royal Palace angesehen haben.

Als Lustschloss gebaut, wurde Innen in “chinesischem Stil” eingerichtet, der damals in Mode war, mit opulentem Speisesaal, grosser Küche und vielen kleineren Räumen. Aussen hingegen wurden Stilelemente aus Indien verwendet, aber von der Raumandordnung, Gängen etc. ist es ein europäisches Gebäude. Die Stadt Brighton hat das Gebäude von Queen Victoria abgekauft, die mit dem Palast nichts anzufangen wusste. Denn der Palast steht mitten im Stadzentrum, ohne grossen Park drumherum oder hohen Hecken. Zitat von Queen Victoria beim ersten Besuch: “[…] Ich verstehe das nicht, man ist am Meer, aber vom Palast aus kann man das Meer nur an einer kleinen Stelle sehen”.

Auf den letzten Kilometern nach Dover sind wir noch an einem von Christophs Reisezielen vorbeigekommen. Nahe Dover, in einem kleinen Naturschutzgebiet, stehen die Sound Mirrors. Aus Beton gebaute Parabolspiegel, die die Geräusche von Flugzeugen verstärken sollten, um ein Frühwarnsystem von Luftangriffen zu entwickeln. Abgelöst durch Radar, ist die Technik nie über das Forschungsstadium hinaus weiterentwickelt worden.

In Dover anzukommen war ein komisches Gefühl. So lange fühlte es sich an, als sei das Ziel weit weg und plötzlich und ohne mit dem Zug abzukürzen, sind wir da. Für das Dover Castle haben wir uns einen Tag Zeit genommen. Die Anlage auf der weissen Klippe über dem Fährhafen enthält einen Leuchtturm aus der Römerzeit, ein Schloss aus dem Mittelalter und seit der Zeit von Napoleon ein grosses Tunnelsystem in der Klippe, das im ersten und zweiten Weltkrieg für die Unterbringung von Soldaten und als Sprengstofflager verwendet wurde. Es gab eine spannende Führung zur Evakuierung der britischen und französischen Armeen aus Dünkirchen, als die Deutschen, trotz schlechter ausgerüsteter Armee die Briten und Franzosen schlagen und in die Flucht treiben konnten. Dies führte dazu, dass das gesamte Material der britischen und französischen Armeen auf dem Festland blieb und der britischen Flotte während der Evakuierung hohe Verluste zugefügt wurden. Ein weiterer Teil der Ausstellung zeigte auch, wie die Briten durch den Bau von Attrappen und gefälschten Funksprüchen den Deutschen vorgegaukelt haben, dass die Armee besser ausgerüstet ist, als sie es tatsächlich war und so einen Einmarsch verhindern konnte.

Nach 6 Wochen und 2340 km verlassen wir nun wieder die Britische Insel. Nach dieser längeren Zeit gibt es natürlich noch ein paar generelle Eindrücke zu berichten und ein bisschen ein Fazit zu ziehen über diese eigensinnige Insel.

Wir wurden öfters gewarnt vor den englischen Autofahrern, schon bevor wir hier hergekommen sind und wurden von mehreren Warmshowers Hosts dazu befragt. Im grossen und ganzen waren die Autofahrer aber ziemlich rücksichtsvoll, jedenfalls auf den kleinen Strassen. Sie sind es sich aber überhaupt nicht gewohnt zu schauen, ob vielleicht ein Fussgänger oder Velofahrer die Strasse überqueren möchte. Das Auto hat Vortritt und abweichendes Verhalten kann gefährlich werden und wird mit Hupen kommentiert. Generell ist man als Velofahrer aber nicht schlechter dran als in der Schweiz (da überholen sie ja auch sehr eng) oder z. B. Lettland (sind sich andere Verkehrsteilnehmer nicht gewohnt) und wir können England gerade wegen dem sehr weit ausgebautem Velowegnetz als Reiseland empfehlen.

Eine weitere Überraschung war, dass Campingplätze im Norden besser waren, als im Süden. Während die Campingplätze im Norden auch eher für Wanderer und Fahrradfahrer ausgerüstet waren, sprich einen Raum zum Kochen und Essen hatten und oft sogar einen Trockenraum, um die nassen Klamotten aufhängen zu können, boten die Campingplätze im Süden gerade mal eine (manchmal ebene) Wiese und einen Duschraum. Vielleicht weil im Süden die Touristen sowieso kommen…

Eine etwas unsympatische Eigenart ist, dass viel Wert auf das Privateigentum gelegt wird, was soweit geht, dass eine Einfahrt zum eigenen Nachteil verbaut wird, damit andere Autofahrer diese nicht zum Wenden nutzen können. Angesichts der oft engen Strassen, wo ein Wenden für Autos unmöglich ist, für uns unverständlich. Das wurde aber von unseren vielen Gastgebern mehr als aufgewogen. Die Warmshowers in England waren alle herzlich, offen und sehr grosszügig.

Und zum Schluss, das Wetter: Wir würden sagen, ja es gibt so etwas wie “Englisches Wetter”. Es war immer wieder nass, oft schien aber gleichzeitig(!) die Sonne und man wusste nicht so recht von welcher Wolke das gerade herunter kommt. Es gab entsprechend viele Regenbögen zu bestaunen. Wir haben unterdessen auch neue Wörter zum unterschieden von Regen gelernt: Splash, ein ganz kurzer Schauer und ein Spell, ein etwas längerer, heftigerer Schauer. Auch das Lesen eines englischen Wetterberichts hinterlässt das Gefühl, dass die Verfasser eine zynische Ader haben, von der es dann nicht mehr weit ist bis zum berühmten schwarzen Humor der Engländer.

England Teil 2, Cardiff bis Land's End

Nach unserem Ausflug in Wales sind wir wieder zurück in England.

Schon am ersten Tag kamen wir durch Glastonbury hindurch, für uns vor allem wegen des Musikfestivals bekannt für das es aber extrem mühsam ist Tickets zu bekommen. Was uns nicht bekannt war vorher, ist die Wichtigkeit in der Artusgeschichte als Ort der Druiden. Das führt heute dazu, dass die Innenstadt nur so von Touristen und Geschäften wimmelt die nach Esokerik schreien. Das macht die Stadt auch ziemlich bunt, abwechslungsreich und irgendwie halt doch ganz symphatisch im sonst so immer ähnlichen England.

In einem kleinen Dorf nahe Glastenbury wohnt Carrie, die wir schon in Wales getroffen haben und die uns zu sich nach Hause eingeladen hat. Sie ist nur ein paar Tage vor uns nach Hause gekommen, hiess uns aber trotzdem mit einem feinen und gesunden z'Nacht willkommen. Es ergab sich, dass Sie und ihr Mann Ben am nächsten Tag mit dem Auto nach Kent (einmal quer durch England von der Westküste bis fast zur Ostküste, an London vorbei) zu einem alten Wald fuhren, wo Bens Bruder und ihr Sohn, die beide Schauspieler sind, mit ein paar Freunden Shakespeare's “A Midsummer Nights Dream” aufführten. Dazu haben wir uns dann spontan selbst eingeladen und es nicht bereut.

Es war keine öffentliche Aufführung, sondern ein paar (professionelle) Schauspieler, die aus der Lust am Spiel und aus Freundschaft zusammen kamen und das Werk zusammen aufführten. Das Stück spielt mehrheitlich im Wald, mit Feen und anderen Zauberwesen, so dass der ganze Wald als Bühne genutzt wurde. Das Publikum folgte dabei jeweils den Schauspielern durch den Wald… Die meisten Schauspieler brauchten zwar ein Skript, weil sie den Text nicht auswendig konnten, das hat man ihrem Spiel erstaunlicherweise aber kaum angemerkt. Ein Musiker untermalte die Szenenwechsel und wo sonst passend das Gespielte mit Musik, z.B. mit einer Art selbstgebautem Xylophon aus Ästen. Die Stimmung ist schwierig zu beschreiben, aber definitiv ein Erlebnis, das uns lange in Erinnerung bleiben wird.

Nach diesem Ausflug hiess es leider wieder Abschied nehmen und entlang der Nationalen Veloroute Nr. 3 Richtung Westen weiter fahren. Die Gegend ist sehr ländlich und hügelig, mit Kleinststrassen, die genau so breit sind wie ein normaler Traktor. Ein stetes Auf und Ab, von hohen Hecken mit Brenesseln und Brombeeren gesäumt und Bäumen überwachsen. Insgesamt sind die Strassen in England in einem schlechten Zustand, mit vielen Unebenheiten, grober Oberfläche und Schlaglöchern, dafür ist jede noch so kleine Nebenstrasse geteert.

Irgendwo zwischen zwei Dörfern auf einer dieser einspurigen Strassen, haben wir Philippa getroffen, die 3 mal die Woche eine Stunde pro Weg mit dem Fahrrad pendelt. Christophs Neugierde, die ihn jeden Fahrradfahrer ansprechen lässt, der wie ein Tourenfahrer aussieht, führte prompt zu einer Einladung, bei ihr zu übernachten. Sie hat sogar Spaghetti gekocht. Philippa war selbst viel unterwegs, vor allem per Anhalter und hat so selbst viel Gastfreundschaft erfahren.

Neben ihrer Herzlichkeit ist uns aber auch ihr Haus, in dem sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt, geblieben. Im Gegensatz zum Britischen Durchschnitt wurde ihr Haus professionell renoviert, die Technik modern und doch den Stil des Bauernhauses erhalten, vom Holzofenherd bis hin zum bemalten Holzbett. Es ist selten, dass man in England gut isolierte Häuser mit anständigen Fenstern, sauber gemalten Wänden und glatt verlegten Fussböden antrifft. Vor allem Miethäuser sind oft in einem erbärmlichen Zustand, mit Einfachverglasung und WC-Spülkästen, die nicht richtig funktionieren, geschweige denn Wasser sparen könnten. Wir können nur erahnen, wie schwierig es gewesen sein muss, die guten Handwerker dafür zu finden…

Frisch gestärkt und mit Früchten aus dem Garten beladen, fuhren wir weiter durch das violett blühende Exmoor, die Schönheit lediglich durch den anhaltenden Nieselregen etwas getrübt.

Die nördliche Küste Westenglands wurde immer hügliger, die Landschaft durch Täler mit steilen Hängen geprägt. Abwechslungsreich, aber Steigungen bis 30% fordern die Beinmuskeln ziemlich. Wir wurden jedoch für unsere Strapazen mit Aussicht von Klippen herab und abgelegenen Buchten mit gefalteten Gesteinsschichten im Fels belohnt.

Je weiter nach Westen wir fuhren, desto stärker wurde der Wind, aber umso schwächer der Verkehr. So konnten wir die Küstenstrasse in Cornwall so richtig geniessen, mit Sonnenschein und glitzerndem Meer.

Wir haben uns auch mehrere tausend Jahre alte Steinkreise und ein Rad angeschaut, die, ohne grosse Beschilderung und nur mit GPS, in Feldern zu finden waren.

Das Ziel jeden Fahrradfahrers in England ist jedoch Land's End, dem westlichsten Zipfel Englands und zugleich Start und Ende des berühmten End to End cycleways nach John O'Groats in Schottland. Es hat sich auch für uns ein bisschen wie ein Ende angefühlt, diese lange Veloreise geht langsam zu Ende, und wie ein Anfang, denn ein neues Leben wird für uns beginnen, auch wenn wir noch nicht so genau wissen, wo und was.

Doch zuerst hatten wir noch einige hundert Kilometer nach Dover vor uns.

Wales

Shw'mae und bora da

(Viel) Später als gewollt, nun endlich der Bericht zu Wales. Ehrlich gesagt, wir sind ziemlich im Rückstand mit unseren Berichten, irgendwie gibt es immer so viel zu tun (Essen, Velofahren, Essen, Leute kennen lernen, essen und schlafen, um nur einige Dinge zu nennen).

Wir hatten ja geschrieben, dass Wales fast ein eigenes Land ist, jedenfalls hat es seit einigen Jahren sein eigenes Parlament (So wie Schottland auch) und seine eigene Sprache, die seit den 1970ern auch als offizielle Sprache anerkannt ist und seither entsprechend auch in den Schulen gelehrt wird. Das ist dann auch das Erste woran man merkt, dass man jetzt nicht mehr in England ist: Alle Schilder sind zweisprachig in Walisisch und Englisch. Walisisch gehört zu den Sprachen mit keltischer Abstammung, so wie Schottisch, Irisch und Gälisch. Die Gruppen untereinander verstehen sich aber nicht, weil die Sprachen doch zu unterschiedlich sind.

Für Grossbritannien war es ein grosser Schritt, diese Minderheiten und ihre Sprachen anzuerkennen, da über mehrere Jahrhunderte versucht wurde, Englisch durchzusetzen und alles andere zu unterdrücken. Regional ist es ganz verschieden, wie gross die jeweiligen Sprachgruppen sind. Im Norden und generell an der Westküste gibt es mehr Walisisch Sprechende, im Süden wechselt das teilweise je nach Dorf.

Viel von dem gerade erzählten haben wir von Darren, einem Walisisch sprechenden Warmshowers gelernt, der uns nach dem Abendessen dann noch nach Caernarfon mitgenommen hat, wo wir die dicken Stadtmauern nicht nur von aussen sondern wortwörtlich auch von innen betrachtet haben. Die Befestigung wurde natürlich von Engländern zum Schutz vor Walisern gebaut und gegen die Bucht hin direkt in die Stadtmauer eingebaut. In der Mauer sind die Räumlichkeiten des Majestätischen Segel- und Ruderclubs.

Bei einem Drink in diesem Club haben wir wieder einmal Velofahrer kennen gelernt, die noch verrückter sind als wir: Ein Ehepaar aus England, das nun pensioniert nach Wales gezogen ist, weil es hier viel schöner ist, weniger Verkehr hat und mehr Berge hat zum Velofahren.

Wie in den vorhergehenden Berichten schon erwähnt, fahren wir viel auf ehemaligen Eisenbahnstrecken. Diese gibt es auch in Wales und wurden ursprünglich für das Hauptexportprodukt von hier gebraucht: Schiefer. Dieser wurde meist als feuerfeste Dachziegel verwendet. Die Abraumhalden und Spuren des Schiefertagebaus sind zwischendurch auch entlang der Wege sichtbar.

In Wales gibt es gleich eine Reihe von immer noch aktiven Dampfeisenbahnen, die auf Schmalspurstrecken verkehren, die ehemals für den Schiefertransport genutzt wurden. Diese werden wie so oft von Freiwilligen betrieben und in Schuss gehalten. Und die 1. Klasse hat ihren Namen wirklich verdient, mit schön bezogenen Ohrensesseln im Speisewagen. um bequem die Aussicht zu geniessen.

Mitten in Wales, praktischerweise an unserem Veloweg gelegen, befindet sich das Center for Advanced Technologies CAT. Es ist halb Museum, halb Uni mit Unterkunft. Gegründet wurde es vor ca. 40 Jahren mit dem Gedanken, auf einer ehemaligen Schieferabraumhalde auf nachhaltige und umweltfreundliche Art zu leben. So entstand hier das am besten isolierte Haus Englands und durch geduldiges Kompostieren konnte das ganze Gebiet wieder aus eigener Kraft bepflanzt werden. Die Energie wird mit Windkraft und Solarpanels, Heisswasser ebenfalls von der Sonne gewonnen und die Standseilbahn wird mit Schwerkraft betrieben, indem die eine Bahn, die oben ist, mit Wasser befüllt wird und diese zieht dann die zweite Bahn, die unten ist, hoch. Es wurden viele Themen um nachhaltiges Leben beleuchtet, wie umweltfreundliche Gärten und Kompostieren, was in einem typischen Wohnhaus wie viel Energie braucht, CO2 Abdruck von verschiedenen Lebensmitteln im Vergleich (v.a. Fleisch), verschiedene Typen von Heizung und Energiegewinnung im Privaten bis hin zur Grossindustriellen Anlage, verschiedenen Materialien im Hausbau und deren Wirkung etc. Dadurch, dass das CAT schon einige Jahre auf dem Buckel hat, kann auch schon über Erfahrungen berichtet werden, dieser Teil kam aber aus unserer Sicht etwas zu kurz.

Neben dem öffentlichen Teil für uns Laien, gibt es auch eine richtige Universität, wo man Architektur und Umweltwissenschaften studieren kann. Aktuelles Forschungsthema sind z.B. gerade nachhaltige Lösungen für die wasserdichten Planen die bei grünen Fassaden und Dächern nötig sind und heute mehrheitlich aus (Erdöl-)Kunststoffen bestehen. Hinzu kommen Kurse für Klempner, Heizungsinstallateure und Elektriker, wie die neue Technik installiert wird und wie die richtige Technik im Einzelfall eruiert wird. Kurz, ein sehr spannender Ort für uns.

An diesem Abend war es schwierig, einen Campingplatz zu finden, der auch Zelte nimmt. Wie wir dann erfahren haben, braucht es dazu eine separate Lizenz. So sind wir dann beim alten Eigner des Campingplatzes im Garten umsonst untergekommen, weil die gute Seele uns keinen anderen Platz in der Gegend empfehlen konnte. Wir haben dann sogar zusammen z'Nacht gegessen (er seines und wir unseres) und hatten spannende Gespräche.

Am nächsten Tag haben wir uns dann eine steile Bergstrasse gespart und sind mit Umweg der Hauptstrasse entlang gefahren. Bei der Kreuzung, wo wir runter gekommen wären, trafen wir auf eine andere Tourenfahrerin, Carrie, die uns anschliessend einige Stunden durch die Täler von Wales begleitete. Die Arme hatte ihr Velo 4 km den Berg hoch schieben müssen! Das hat sie aber überhaupt nicht gestört, sie fand es toll, dass sie die anspruchsvolle Strecke mit Steigungen bis 30% in ihrem Alter überhaupt schafft. Als sie unsere weiteren Pläne hörte, hat sie uns sofort zu sich nach Hause eingeladen, falls wir wollten, da der Veloweg ganz in der Nähe durch führt.

Zuerst trennten sich aber unsere Wege wieder. Die Täler und Hügel in Wales sind abwechslungsreich, teils bewaldet, mit ab und zu Stauseen. Der letzte Tag nach Cardiff hat uns wieder einmal auf einer alten Eisenbahnstrecke mit angenehmer Steigung über einen Pass geführt, wo gleich auf beiden Seiten ein Stausee war. Gleich nach dem Pass gab es einen kleinen Tearoom, der voll bepackt war mit Leuten, die sich wie wir, einen klassischen Afternoon Tea mit Sandwich, Scones mit Clotted Cream und Marmelade und ein Stück Kuchen genossen. Danach ist man voll und glücklich.

In Cardiff sind wir wieder bei einem Warmshowers untergekommen, einem Musiker, der als Nebenverdienst zur Zeit in einem Altenheim arbeitet. Er hat uns eine Rundtour um die Bucht empfohlen, die mit tollen Ausblicken von der Klippe auf England und die einfache Skyline von Cardiff auf sich wartete. In der Altstadt sind wir per Zufall auf den ältesten Musikladen der Welt, Spiller Records, gestossen, den es seit 1884 gibt. Er ist zwar drei mal umgezogen, hat aber eine durchgehende Geschichte auf die der Laden auch sehr stolz ist. Im Laden werden auch alte Tonträger wie Edison Walzen ausgestellt und Ansichtskarten aus den frühen Jahren verkauft.

Das St. Fagans ist ein Freilichtmuseum in das Gebäude von ganz Wales verfrachtet wurden. Das Museum ist nur wenige Kilometer ausserhalb von Cardiff und auf dem Grundstück befindet sich auch die Sommerresidenz des walisischen Adelsgeschlechts. Dieses Schloss und das Grundstück wurde von ihnen an den Staat verschenkt, mit der Auflage, es als Museum zu öffnen.

Das war Wales. Wir hatten sehr viel Wetterglück, was uns Wales viel sympathischer gemacht hat als England. Wir können nicht garantieren, dass es für andere ebenso sein wird :-)

England

Long time no see

Dank eines Tipps von einem Warmshower in Dänemark, sind wir dann per Fähre auf direktem Weg fast bis zur schottischen Grenze gefahren.

In Newcastle upon Tyne angekommen mussten wir uns natürlich gleich an die lokalen Gepflogenheiten anpassen und fahren seither ganz brav auf der linken Strassenseite und im Uhrzeigersinn im Kreisverkehr. Es passiert uns nur noch selten, dass wir zum Geisterfahrer werden, was mit dem Velo glücklicherweise nicht so dramatisch ist :-) Etwas (ein paar Tage, Anm. der Redaktion) später wurde uns dann auch klar, dass alle Angaben auf den Strassenschildern ja in Meilen sind…

Typisch für England und an Orten wie Newcastle ganz speziell sind die Zeitzeugen der Industrialisierung. Hier steht z. B. die älteste kombinierte Eisenbahn- und Strassenbrücke der Welt, die von Robert Stephenson geplant wurde. Sein Vater George Stephenson wuchs in der Umgebung von Newcastle auf und arbeitete in einer Kohlemine in dieser Gegend, bevor unter seiner Leitung die weltweit erste öffentliche Eisenbahn gebaut wurde.

Newcastle war für lange Zeit ein riesiger Kohleumschlagsplatz von Eisenbahnen oder Flussschiffen auf grosse Schiffe. Das führt dazu, dass es in der Umgebung viele stillgelegte Eisenbahnstrecken gibt, die heute Velo- und Fusswege sind, autofrei und angenehm flach. Solche Strecken treffen wir auch in anderen (vor allem Bergbau-)Gebieten immer wieder an und zeugen von einem massiven Wandel des Güterverkehrs und der Arbeitsplätze. Heutzutage ist Newcastle eine bedeutende Studentenstadt mit einem vorauseilenden Ruf für ein ausschweifendes Nachtleben. Das führt dazu, das Newcastle sich mit Hamburg um den Preis der Stadt mit den meisten Glasscherben streitet.

Sehr angenehm in Grossbritannien ist, dass staatliche Museen keinen Eintritt kosten (oder nur für Spezialaustellungen), dafür sind aber Spenden gerne gesehen. Wir können das nur unterstützen, da wir viele Familien in diesen Museen antreffen und auch wir selber in viele Museen hineingehen. So z. B. das Kunstmuseum BALTIC und Discovery Museum über die Industriegeschichte von Newcastle, Kohle Bergbau und Export.

Ein Highlight für Angela war das älteste Newsreel Kino in Newcastle, das neben aktuellen, mehrheitlich Arthousefilmen immer noch jeden Tag eine (historische) Wochenschau zeigt. Es gibt jeden Tag eine Führung von freiwilligen Helfern mit vielen Informationen zur Geschichte des Kinos und der Stadtentwicklung. An diesem Tag waren wir nur zu zweit und durften am Schluss sogar noch in den Projektionsraum. Bemerkenswert ist, dass sie sowohl digital wie auch analog 35 mm zeigen können. Gerade aktuell im Kino ist der Film Dunkirk, der bewusst analog gedreht wurde und in Newcastle ab Rolle gezeigt wurde.

Die Strecke an die Westküste von England führte uns fast 2000 Jahre zurück, als die Römer die südliche Hälfte der britischen Insel kontrollierten. Zum Schutz gegen die schottischen Stämme aus dem Norden wurde ab dem Jahr 73 unserer Zeitrechnung der Hadrians Wall gebaut. Ein bisschen wie der kleinere Bruder der chinesischen Mauer, die ja gegen die Mongolen aus dem Norden gebaut wurde.

Entlang der Mauer gab es alle 1,45 km ein römisches Fort für bis zu 300 Soldaten und dazwischen jeweils zwei permanent besetzte Wachtürme. Entsprechend gibt es diverse Museen und Ausgrabungsstätten die man besuchen kann und die Ruinen von längeren Abschnitten der Mauer sind bis heute erhalten.

Nach einer Weile an der englischen Westküste, wo es eigentlich nur kleinere verschlafene Dörfer für Sommertouristen und etwas Industrie gab, sind wir dann kurz vor Sellafield in den Lake District hinaufgefahren. Wie der Name schon sagt, gibt es hier mehrere grössere Seen umrandet von grünen Hügeln und Wäldern, landschaftlich ein Genuss, leider mit wenigen Ausweichstrecken für Velos.

Auf dem Weg nach Keswick, einem kleinen Touristenstädtchen, sind wir bei der Lake Distillery vorbei gefahren und haben es uns nicht nehmen lassen, eine Führung mitzumachen. Die Whiskey Brennerei ist erst 2.5 Jahre alt, wurde aber in historische Gebäude eingebaut, statt einem Neubau auf der grünen Wiese. Entsprechend fühlt sich die Anlage viel älter an. Die Produktion, in die man mit der Führung tatsächlich hinein kann, ist jedoch auf neustem Stand, inkl. Produktionssteuerungssystem und automatisierter CIP-Reinigung.

Die nationale Veloroute C2C (sea to sea), der wir eine Weile folgten, führte uns zu unserer grossen Verwunderung hinter Keswick plötzlich eine ziemlich steile Strasse hoch. Das Geheimnis lüftete sich erst auf dem “Gipfel”, wo sich zur Belohnung der Strapazen ein 4500 Jahre alter Steinkreis (Castlerigg stone circle) befindet, malerisch umringt von den höchsten Gipfeln im Lake District. Ein Reiseführer erklärte, dass es hunderte von Steinkreisen im Lake District alleine gebe und sich diese gegen Süden ausgebreitet haben, mit Stonehenge einem der jüngsten und präzisesten.

Per Zufall sind wir an einem Wettbewerb für Hirtenhunde und Hundezüchter vorbeigefahren. Da mussten wir natürlich sofort anhalten und uns live mit ansehen wie Hirten ihre Hunde mit verschiedenen Pfiffen auf 200 m Distanz dirigieren um so vier Schafe an bestimmten Toren vorbei zu führen, sie in ein Gatter einzusperren und sie in zwei Gruppen zu trennen. Daneben gab es eine sehr sehr englische Präsentation von Beagles. Wir haben davon nichts verstanden und haben einfach nur über die zeremonienhafte Darbietung der Herren (und Damen) in weissen Mänteln mit Melonen gestaunt, die ihre Hunde mit Leckerli dazu brachten, stillezustehen oder hin- und herzurennen.

Vom Lake District Nationalpark ist es auch mit dem Velo eine kurze, aber hügelige Strecke zum nächsten Nationalpark, den Yorkshire Dale. Diese fühlte sich sogar schon an wie richtige Bergpässe, mit Aussicht, kaltem Wind und ohne Bäume (als Schweizer hat man dann das Gefühl, dass man über der Baumgrenze, also ganz weit oben, ist).

Zur Abwechslung sind wir zur Malham Cove gewandert, einer 80 m hoch ragendenden Klippe, umgeben von Schafweiden und den typischen Steinmauern, bevor wir zum nächsten Bahnhof geradelt sind, von wo wir den Zug nach Manchester genommen haben.

Manchester war wieder eine typische (Ex-) Industriestatt, mit diesem unverkennbar (manchmal hässlichen) Mix aus alten und ganz neuen Gebäuden. Noch anfangs der 80er hätte man Leuten Geld geben müssen, damit sie nach Manchester ziehen. Inzwischen haben Investoren die Stadt entdeckt…

Zufälligerweise waren wir übers Wochenende in Manchester und hatten somit die komplette Auswahl des kulturellen Angebots. Wir haben uns für einen Comedy Club mit vier Stand-up Comedians entschieden. Trotz leichter Sprachbarrieren (je nach Komiker mehr oder weniger), eine ziemlich komische Sache, wir haben viel gelacht! Der Club ist in einem Bogen der Hochbahn untergebrach, wo auch immer noch Züge fahren. Zum Glück gab es im Comedy Store keinen Dresscode, so wie in den Clubs nebenan, wir waren in unseren Campingklamotten ziemlich underdressed, vergichen mit den teils übertrieben aufgetakelten Partygängern.

Am nächsten Morgen haben wir die Gelegenheit genutzt und an einer 3-stündigen (!) Führung teilgenommen. Es wurde aber keine Sekunde langweilig, es gab viele Geschichten von Industrialisierung, Demonstrationen und legendären Musikclubs zu hören. In Manchester wurden Gewerkschaften erfunden, hier haben Marx und Engels den Kommunismus diskutiert und es wurde gegen die Herrschaft durch den Adel und, etwas später, der Männer aufbegehrt. Das People's Museum danach war eine spannende Ergänzung zur Stadtführung. Hier wurde vertieft auf die Entstehung von Gewerkschaften, demokratischen Parteien und die Frauenstimmrechtsbewegung eingegangen.

Am nächsten Tag widmeten wir uns dann wieder eher techischen Themen im Science Museum, das den kompletten Textilverarbeitungsprozess mit lauffähigen Maschinen vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt und den weltweit ältesten Bahnhof aus 1830 beinhaltet. Ein weiteres Highlight war die umfassende Sammlung von Dampfmaschinen, die älteste von 1830, sowie frühen Verbrennungsmotoren, ohne die die Industrialisierung nicht möglich gewesen wäre.

Hier haben wir auch gelernt, dass Manchester ein hydraulisches Energiesystem hatte, ein System, dass uns vorher komplett unbekannt war und auch andere Städte in England hatten. Wie Christoph so ist, er hat den ganzen Wikipediaartikel zum Thema gelesen und so herausgefunden, dass der Springbrunnen im Genfersee ursprünglich gar kein Springbrunnen war, sondern ein Überdruckventil des hydraulischen Energiesystems von Genf.

Eine Zugstunde westlich von Manchester liegt Liverpool. Die beiden Städte sind bei vielen Themen und Gelegenheiten gegenseitige Rivalen. Heute hauptsächlich im Fussball, gibt es weiter zurückliegende Rivalitäten. Ursprünglich wurden alle vom Meer kommenden Güter in Liverpool umgeladen um sie nach Manchester zu bringen. Um sich Gebühren und Aufwand zu sparen, wurde ein Kanal und ein Hafen in Manchester gebaut. Eine spannende Geschichte war, dass sich Manchester im amerikanischen Bürgerkrieg auf die Seite der Nordstaaten gestellt hat, also gegen die Sklaverei, indem Baumwolle aus den Südstaaten boykottiert wurde. Darum hatte die Stadt eine Zeit lang mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen, weil es zu wenig Sklaven-freie Baumwolle gab. Liverpool dagegen hat die Südstaaten politisch und wirtschaftlich unterstützt so z.B. auch mit dem Bau von Kriegsschiffen. Im bewegenden Sklavereimuseum in Liverpool wird diese schwarze Geschichte beleuchtet, wie auch die Rolle, die die Händler und Reedereien in Liverpool im Sklavenhandel spielten, aber auch der Prozess der Abschaffung der Sklaverei und deren Folgen für die ehemaligen Sklaven.

Nach einem Pausentag ist nun alles wieder gewaschen, geputzt und der Zeltboden ist vom Schimmel befreit (das feuchte Wetter in den Niederlanden und in England hatte sich bemerkbar gemacht) und wir sind nach Wales aufgebrochen. Da es sich, gemäss den Einheimischen, um ein eigenes Land handelt, erzählen wir Euch davon beim nächsten mal.

Norddeutschland und SHA

Von Hamburg ging es zuerst nach Bremen, eine kleinere sehr wohnliche Stadt mit netten Warmshowers, so ähnlich war es dann auch in Oldenburg, wo wir wieder mal nach Ratschlägen ausgefragt wurden, weil das lokale Warmshowers Paar sich gerade auf eine 12 monatige Weltreise per Fahrrad vorbereitet.

In Münster gab es dann nochmals Verwandte zu besuchen, die uns dann zur Skulpturen Ausstellung mitgenommen haben, die nur alle zehn Jahre stattfindet.

Danach ging es auf direktem Weg nach Zeewolde zum SHA (Still Hacking Anyway), das alle vier Jahre stattfindende Hackercamp in den Niederlanden. Wir konnten da wieder mal ausgiebig Schweizerdeutsch reden; haben gelernt, dass es um die Sicherheit von Solarwecshelrichter schlecht steht und dass auch vorsichtige Hacker gefälschte Chips geliefert bekommen; haben miterlebt, dass Niederländer nach 9 Tagen mit Kartoffeln auf dem Speiseplan glücklicher sind als vorher und hatten schlicht eine spannende Zeit.

Jütland (Dänemark) und Nordfriesland (Deutschland)

Hallo und guten Tag!

Wie ihr lesen könnt, wir sind in Deutschland angekommen!

Aber von vorne: Seit Stockholm und dem Roskilde Festival waren wir etwas übersättigt mit Eindrücken und wollten nur Velofahren. In Aarhus haben wir dann zum ersten Mal seit langem wieder Sight-seeing gemacht. Wir haben die Altstadt erkundet und waren dann im Frauenmuseum. Dänemark kennt das Frauenstimmrecht seit mehr als 100 Jahren und doch gibt es auch hier immer noch einen markanten Lohnunterschied und wenige Frauen in der Regierung. Die Ausstellung ging aber auch nicht nur um politische Themen, sondern auch biologische und kulturelle Unterschiede. Wir haben gelernt, dass Mädchen und Jungen unterschiedlich spielen, dieses weibliche oder männliche Verhalten aber durch die Eltern verstärkt oder abgeschwächt werden kann. Auch werden von der Gesellschaft immer noch die männlichen Attribute bevorzugt, wie Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen, während Attribute wie Einfühlungsvermögen, Grosszügigkeit, Kompromisssuchend als weniger positiv gewertet wird.

Danach sind sind wir in der Universität zur Mensa der Mathematiker essen gegangen. Das Essen war erstaunlich gut, für Mensaessen, günstig (Sie kennen keine verschiedenen Preise für Studenten und Externe) und das Ambiente ziemlich 80er Jahre.

Die Mensa war gleich neben dem Wissenschaftsmuseum, wo es Ausstellungen zu verschiedenen Entdeckungen der Chemie und Physik, aber auch über Ernährung und zu Epidemien gab. Wir wären fast eingeschlossen worden, weil wir die Zeit vergessen haben (was uns 20 min extra Besuchszeit brachte).

Am Abend hat sich Christoph wieder ums Kontakteknüpfen im örtlichen Hackerspace, dem Open Space Aarhus, gekümmert. Dieser Space ist von der grösseren Sorte mit dem dementsprechenden grossen Material und Schrottlager, Drehbank, CNC Fräse, diversen 3D Druckern und einer recht grossen aktiven Community. War ein netter gemütlicher Abend wo wir viel austauschen und diskutieren konnten.

Kurz nach Aarhus haben wir dann die 4000 km geknackt. Das tönt nach viel, fühlt sich aber gar nicht so an. Gleichzeitig ist Polen und das Baltikum schon wieder weit weg.

Nur kurz gesehen haben wir Viborg, eine kleine, mittelalterliche Stadt mit einer mit Wandmalereien reich verzierten Kirche. Auf dem Marktplatz waren mehrere Statuen von Bettlern und Obdachlosen ausgestellt. Hier ist mir bewusst geworden, dass wir in Dänemark ähnlich wenige Bettler und Obdachlose antreffen, wie in der Schweiz (im krassen Kontrast zu Hamburg, wo es unerwartet viele Obdachlose unter Brücken und über die ganze Stadt verteilt gibt). Ob es aber tatsächlich weniger Obdachlose gibt, oder diese nur aus den öffentlichen Zentren vertrieben werden, wissen wir nicht.

An diesem Abend haben wir ein kleines Shelter gefunden, das zu einem Kulturzentrum gehört. Es hatte sogar eine heisse Dusche und eine tolle Aussicht. Und das für umgerechnet knapp 9 Franken zu zweit!

Seit Aarhus hat sich die Landschaft komplett geändert. Wir sind von grünen Hügeln an die flache Nordseeküste gefahren. Dabei haben wir uns erst mit Gegenwind in den Norden gekämpft, um die Strecke der Nordsee entlang etwas zu verlängern. Im Landesinnern gibt es sehr viel Landwirtschaft und so konnten wir dann bei Bauern im Garten übernachten und frische Kartoffeln und Beeren kaufen. Die Nordseeküste wiederum ist eher sandig, mit grossen Sanddünen zum Meer hin.

In den Sanddünen versteckt gibt es unzählige Bunker, die die Deutschen während der Besetzung Dänemarks im zweiten Weltkrieg zur Verteidung der Nordseeküste gebaut haben.

Es gibt auch, vor allem im nördlicheren Teil, immer wieder Klippen, so wie der Bovbjerg, wo ein eindrücklicher Leuchtturm steht. Noch mehr beeindruckt haben uns die Gleitschirmflieger, die hier den Aufwind an der Klippe nutzen. Sie starten auf der Klippe, gleiten hin und her und landen schliesslich wieder auf der Klippe. Einige der Flieger machen schon fast Kunststücke mit dem Gleitschirm und fliegen Slalom durch die Touristen durch. Nicht erstaunlich, hier fanden wir die höchste Dichte an Schweizer Autos seit drei Monaten vor…

Am nächsten Morgen hat es geregnet. Das hat die dänische Familie, die mit uns das kleine Shelter an einem kleinen urigen Hafen geteilt hat, kaum gestört. Die haben einfach Regenschirme aufgemacht und sich beim Frühstück nicht weiter stören lassen. Frei nach dem Motto, warte lange genug, dann hört es schon wieder auf. Und so war es auch, am Nachmittag schien die Sonne wieder und wir hatten zum ersten Mal in Dänemark Rückenwind! Durchschnittsgeschwindigkeit 20.5 km/h und nicht einmal anstrengend.

Am nächsten Tag sind wir auch schon an die deutsche Grenze gekommen. Unterwegs haben wir Jong Biao kennen gelernt, einen chinesischen Studenten aus Norwegen, der ein Visum für England bekommen hat und nun mit dem Velo dorthin fährt. Er hat uns an dem Tag begleitet, was sehr spannend war.

Die Strecke entlang dem Eurovelo 12 (Nordseeküstenradweg) war leider ziemlich langweilig, wir sind nur dem Deich gefolgt, der vorwiegend von Schafen bevölkert ist.

In Dagebüll haben wir Jochen aus dem Allgäu kennen gelernt, der eine Deutschlandtour mit dem Fahrrad macht. Das beeindruckende ist, dass er nur ein Bein hat und, dank dem Klickpedal, ein ganz normales Velo fährt. Schwierig werde es, wenn es zu steil wird und er müsse etwas mehr auf das gleichmässige verteilen des Gewicht auf dem Velo achten.

Die restlichen 2 Tage nach Hamburg waren vergleichsweise ereignislos, immer dem Damm entlang, das Wattenmeer und die Schafe ein ständiger Begleiter. Wir hatten die ersten Sommertage dieses Jahr, natürlich mit Gewitter (zum Glück mit Rückenwind, so haben wir den Campingplatz in Rekordzeit erreicht).

Eingangs Hamburg gab es dann einem Platten bei Angela (Scherben) und Christoph ist kurz vor dem Ziel gestürzt, weil ein Lastwagen auf dem Veloweg parkiert hatte und er beim Ausweichen an der Kante hängen geblieben ist. Ausser blauen Flecken und Schrammen am Ellenbogen ist aber zum Glück nichts passiert.

Wir sind bei Angelas Cousine an der Reeperbahn, mitten in Hamburg, untergekommen. Angeschaut haben wir uns nicht viel, waren aber einen Abend lang mit Lars Knoblauch von Metroplan (Planerfirma des Neubaus von Just) unterwegs. Für alle, die Lars kennen, er sieht echt umwerfend aus! Der Abend war sehr gemütlich, mit leckerem Essen, Cocktails in der Strandbar am Hafen, Wasser- und Lichtspiel im Planten en Blomen (Park), und ein Bierchen und Eis an der Alster.

Jetzt heisst es bei Angelas Onkel in Bergedorf einen Tag ausspannen, Wäsche und Fahrräder waschen und Kleinigkeiten reparieren, bevor es weiter Richtung Holland geht, nächster Halt: Bremen.

Dänemark Teil 1

Hei!

Von Stockholm sind wir dann über Nacht nach Kopenhagen gefahren. Leider ist der Transport von Fahrrädern im Zug nicht vorgesehen, also wurde es eine ungemütliche Nacht im Bus. So haben sich denn auch die 60 km von Kopenhagen nach Roskilde am nächsten Morgen auch länger angefühlt, als wir uns das gewöhnt sind. Der Gegenwind hat wohl auch noch ein bisschen dazu beigetragen.

Dänemark hat ein ähnlich dichtes Netz an Fahrradrouten, national und regional, wie die Schweiz. Diese sind auch ziemlich gut ausgeschildert, so dass man fast ohne Karte auskommt. Einzige Ausnahmen bilden die Städte, wo es oft keine Schilder hat und die Abzweigungen, wo die Schilder hinter Hecken, Grasbüscheln, Leitplanken oder anderen Schildern versteckt sind.

Auf dem Weg nach Roskilde sind wir per Zufall an einem interessant aussehenden Gebäude vorbei gekommen, wo sich ein Museum für moderne Kunst drin versteckt, namens Arken. Die aktuelle Austellung zeigt hyperreale Abbildungen von Menschen, so dass man manchmal zwei mal hinschauen musste, um den Unterschied zwischen Mensch und Kunstwerk feststellen zu können. Beeindruckend fanden wir vor allem, wie detailliert die Haut war, wie bei echten Menschen mit Äderchen und Sommersprossen und Muttermalen.

In Roskilde haben wir die meiste Zeit am Openair Festival verbracht, eines der grössten Musikfestivals Europas, mit ca. 130'000 Besuchern (inkl. den ca. 25'000 Freiwilligen, die für 32 Stunden Arbeit ein Gratisticket bekommen). Die erste Nacht haben wir aber noch bei Gaby übernachten können, die auch ein Mitglied bei Warmshowers ist und die sich die letzten zwei Monate dankbarer Weise als Postadresse zur Verfügung gestellt hat, für unsere Pakete mit Sachen fürs Festival, wie auch einige Ersatzteile, die wir inzwischen benötigt haben. Wir sind Gaby sehr dankbar, dass sie uns weit über die übliche Gastfreundschaft hinaus bei unserem Projekt Roskilde Festival unterstützt hat, uns ein Ersatzzuhause in einer fremden Stadt gegeben hat, wo wir duschen und Wäsche waschen und unsere Sachen sortieren konnten.

Nach dem vollen Programm am Festival konnten wir uns erst einmal einen Tag bei Dorte und Heiner erholen, die in einer Wohngemeinschaft mit mehreren Familien auf einem Bauernhof bei Jystrup sehr idyllisch auf dem Land wohnen. Es gab Erdbeeren und Kartoffeln frisch vom Feld, herrlich. Jetzt leben die Familien im Luxus, mit renovierten Wohngebäuden, Werkstätten, Gruppenraum und grosser Gemeinschaftsküche, neben dem grossen Gewächshaus und Garten rund herum. Man sieht, wie viel Arbeit und Liebe über die letzten 30 Jahre in die Liegenschaften gesteckt wurde. Wir hätten auch bei Johannes in der gleichen Wohngemeinschaft unterkommen können, aber Dorte war schneller ;-) Wir haben ihn und seine Familie dann am Abend doch noch bei einem Schluck Wein kennen lernen können und er hat uns wertvolle Tipps für die Weiterfahrt gegeben.

Heiner hat uns von dem Projekt Makvärket erzählt, bei dem eine alte Ziegelei durch Freiwilligenarbeit in ein Kulturzentrum verwandelt wird. So haben wir beschlossen, einen kleinen Umweg zu machen und es nicht bereut. Wir wurden sofort herzlich empfangen und durch das riesige Areal geführt (ca. 10'000 m2). Einige Räume sind schon seit Jahren in brauchbarem Zustand und werden für verschiedene Zwecke verwendet. Ein Zwischengang zwischen zwei Gebäuden wurde diesen Frühling von deutschen Wanderarbeitern mit einem Glasdach versehen, und jetzt beginnen die Aufräumarbeiten darunter. Auch der Garten will bewirtschaftet werden, so hat eine der Freiwilligen den Tag damit verbracht, Brennesseln mit der Sense zu entfernen, während wieder andere das Dach über der Metallwerkstatt abdecken. Die Ziegel werden natürlich für andere Projekte aufbewahrt, wie auch alles Holz und andere Baumaterialien, die bei Abrissarbeiten anfallen. Beim Frühstück durften wir miterleben, wie sich die bunt zusammen gewürfelte Gruppe bei einer kurzen Sitzung effizient organisierte. Jeder durfte selbst entscheiden, was er oder sie an diesem Tag machen würde und es fand sich auch für jedes Essen und Aufrämen ein Freiwiliger. Das Essen kam zu einem grossen Teil vom Grossmarkt in Kopenhagen, wo sie einmal wöchentlich übrig gebliebene Lebensmittel abholen konnten. Dann wurde auch hinter den Supermärkten Essen aus dem Abfall geholt und ein kleiner Teil der Lebensmittel (vor allem das Bier) wurde gekauft. Entsprechend kreativ muss der jeweilige Koch sein, denn die Lebensmittel müsen schnell verarbereitet werden.

Nach diesen inspirierenden Tagen war es schon fast erholsam, beim Fahren durch die hüglige und ländliche Gegend im Süden von Fyn mit seinen alten, strohbedeckten Bauernhöfen und Stränden, seinen Gedanken nachzuhängen.

Zwei mal haben wir dabei in sogenannten Shelters übernachtet, einfachen Campingplätzen, privat, auf einem Bauernhof oder von Vereinen (z.B. Pfadi oder ein Ruderverein, etc.), wo man für unter fünf Franken pro Person über Nacht bleiben kann. Diese Plätze gibt es sozusagen überall, sind meistens mit einer Toilette ausgestattet, manchmal sogar mit einer kalten Dusche. Sie sind so zu sagen die dänische Art, “wild” zu campen. Diese Plätze sind für Radfahrer und Wanderer gedacht, werden aber auch gerne von Familien genutzt, um einfach mal ein Wochenende mit den Kindern im Wald zu verbringen, mit Lagerfeuer und ohne Internet.

Seit einigen Tagen sind wir nun auf dem dänischen Festland und mit einem kleinen Abstecher ins Seenhochland (wir waren auf 147 m.ü.M., es gab sogar einen Bergkiosk und einen Aussichtsturm), sind wir nach Aarhus gekommen.

Trotz Gegenwind und den hohen Preisen für Lebensmittel und Campingplätze (wir sprechen hier durchaus von Schweizer Preisen), gefällt es uns sehr gut in Dänemark. Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Menschen sind offen und durchweg freundlich und die Autofahrer rücksichtsvoll. Es gibt reichlich Gelegenheit für Sightseeing (was wir aber kaum gemacht haben), man sieht dem Land seine reiche Vergangenheit als grosses Königreich an.

Stockholm

Wir sind morgens, zwanzig vor sieben, in Stockholm angekommen. Die mittelalterliche Altstadt haben wir schnell gefunden, und auf der Suche nach einem Café oder einer Bäckerei die menschenleeren Strassen erkundet. Einzig eine Gruppe Chinesen war auch so früh unterwegs. Erst um acht öffnete dann endlich die erste Bäckerei, und bald waren die Strassen voll mit Touristen.

Wir sind aber zuerst zu Cécile gefahren, einer Fahrradaktivistin, die uns bei Kaffee und Tee etwas über die endlosen Gespräche mit Politikern und Polizisten erzählte. Für uns Schweizer erscheint Stockholm mit seinem umfangreichen Velowegnetz schon fast als Paradies für Fahrradfahrer. Doch auch uns sind einzelne Ecken aufgefallen, wo die Strassenführung unklar oder sogar gefährlich ist. Trotzdem, es war sehr angenehm, auf den meisten Strassen klar gekennzeichnete Fahrradspuren zu haben und sich zwischen Autos und Fussgängern gleichberechtigt zu fühlen. Entsprechend viele Stockholmer benützen auch das Rad als Fortbewegungsmittel, speziell jetzt im Sommer.

Am Nachmittag wollten wir dann eine Stadtführung mitmachen, die aber abgesagt wurde. Also sind wir ins Nobelmuseum und haben uns dutzende Wissenschaftler angeschaut, die einen Nobelpreis erhalten haben mit (manchmal zu) kurzen Erklärungen, wofür sie diese erhalten haben. Nach einer sehr leckeren Pizza bei einem kleinen Italiener (2 Tische und viel Take away), sind wir noch ins Fotomuseum mit einer umfangreichen Ausstellung mit Pferdebildern. So wurde es auch ziemlich spät, bis wir wieder bei Cécile zu Hause waren. Das Museum hat bis um 1 Uhr nachts geöffnet und wurde tatsächlich am Abend auch rege besucht.

Am nächsten Tag konnten wir unsere Sachen bei Cécile im Schuppen lassen, während wir noch einen Tag die Stadt mit dem Fahrrad erkundeten. Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem Mittsommerfest, haben aber bei der Umrundung der verschiedenen Inseln, auf die Stockhom verteilt ist, keine grosse Feier gefunden. Stattdessen waren an jeder schönen Ecke am Wasser oder in den unzähligen Parks, jeweils Freunde oder Familien zusammen am Picknicken. Das sah sehr gemütlich aus, jedoch konnten wir uns nicht einfach dazu gesellen. Beim Vergnügungspark und dem Freilichtmuseum nebenan waren sehr viele Familien unterwegs, die die Feiertage für einen Ausflug nutzten. Doch kaum waren wir ein paar hundert Meter weiter, waren wir wieder in stillen Parkanlagen und auf erstaunlich leeren Strassen unterwegs. Auch die Stadt ist bei Mittsommer wie ausgestorben, da die meisten Stockholmer offenbar aufs Land fahren, um bei Feuer und mit viel Bier zu feiern.

Finnland

Hei!

In Helsinki durften wir wieder mal spanische Gastfreundschaft geniessen, da unser Warmshowers Host so wie der in Krakow ursprünglich aus Spanien kommt. Er arbeitet als Somelier in einem super teuren Gourmetrestaurant. Was man eigentlich nicht bemerken würde, ausser dass Christoph gleich zu beginn mit einem Kaffee versorgt wurde, der mit einem speziellen Filterpapier (Chemex) gebraut wurde, bei dem die Kaffeebohnen und die Wassermenge per Waage genau abgemessen wurden. Und wie hats gescheckt? Für einen Filterkaffee sehr gut, weil nicht bitter. Christoph bleibt aber dem starken Espresso treu (Und fährt weiterhin seine Bialetti Mokka Kanne herum).

Unser Host hat uns dann mit Tipps versorgt, was wir in Helsinki so alles ansehen sollten. Zuoberst war Suomenlinna. Dies sind drei Inseln vor Helsinki auf denen eine Festung steht. Für die Verteidigung von See gut gelegen, da auch heute noch die Fähre von Tallin genau bei diesen Inseln hindurch muss.

Heute hat es auf der Insel mehrere Museen und es ist ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Einheimische, um spazieren zu gehen, an den Strand zu liegen etc.

Wir bekamen auch einen Tipp für ein kleines Kaffee an einem Hafen, bei dem die Leute schlange stehen. Die Kuchen waren es jedenfalls wert.

Nach diesen zwei Hauptstädten und den ganzen Eindrücken waren wir froh, als wir wieder am Velofahren waren und wir wieder in ruhigeren Gegenden waren. Wir haben dann gleich nach der Stadt unsere erste “Wilde” Übernachtung auf einer kleinen Insel erlebt. Das ist ja in Skandinavien erlaubt (Bedingung ist, dass man kein Haus sieht).

Wie erwartet gibt es darum nur wenige Campingplätze (Mit warmer Dusche etc.). Später in Hanko waren wir dann auf so einem und waren etwas erstaunt über die hohen Preise (27 € pro Nacht im Zelt).

Am nächsten Tag sind wir durch ein Gebiet gefahren, das nach den 2. Weltkrieg von der Sowjetunion gepachtet wurde. Es wurde 1956 wieder zurückgegeben. Es gibt dazu ein kleines Museum und mit Glück findet man noch Zeitzeugen.

Finnland war für uns erstaunlich anstrengend mit dem Velo. Wir wussten ja schon, dass es ganz viele Inseln und Seen gibt in Finnland, konnten aber noch nicht abschätzen was das fürs Velofahren heisst. Das erste, das schon in Helsinki auffällt ist, dass wir aus den flachen Gebieten, die nur aus Sand bestehen, weg sind. Finnland besteht aus massivem Fels, der von Gletschern geformt wurde. Das sieht man sehr deutlich und es ist auch immer mal wieder spannend anzusehen, was das für Landschaften formt.

Es ist aber auch ziemlich anstrengend, da es die ganze Zeit auf und ab geht. Das wäre eigentlich nicht schlimm, es sind ja jeweils nur ein paar Höhenmeter (so bis max. 30 m, meistens viel weniger) aber die Nebenstrassen sind sehr hügelig und können ganz schön steil sein. Das macht es unmöglich in seinen gewohnten Rhythmus zu kommen.

In Turku gab es dann wieder etwas mehr Stadtprogramm mit einer Führung durch das alte Schloss und einem Besuch beim örtlichen Hackerspace.

Die Altstadt von Turku ist praktisch nicht mehr vorhanden da sowohl ein grosses Feuer einen grossteil (5/6) der Altstadt zerstört hat und Turku im 2. Weltkrieg bombardiert wurde. Das führt heute zu einer ziemlich hässlichen, wahllosen Zusammensetzung von Häusern.

Am spannendsten für uns war der Besuch des Turku Luostarinmäki, das ist das einzige Quartier, dass das verherende Feuer überstanden hat, weil es etwas ausserhalb lag. Heute ist es ein Freilichtmuseum, das mitten in der Stadt liegt und wo altes Handwerk aktiv gepflegt und weitergegeben wird. Es ist in seiner Form einzigartig, da keine Häuser “gesammelt” und umplatziert wurden und es sind auch alles original Häuser ohne Rekonstruktionen.

Gewohnt haben wir in einem ausgedienten Kreuzfahrtschiff, der Bore. War sehr angenehm, preislich auch interessant und irgendwie lustig durch die Gänge zu gehen und eine Kabine zu haben aber sich nicht zu bewegen. Praktisch war dann auch, dass es gleich neben dem Hafen für die Fähre nach Stockholm festgemacht ist.

Die nächste Nacht haben wir dann auf dem Fährschiff nach Stockholm verbracht. So richtig mit eigener Kabine (Übernacht Fähren lassen sich gar nicht ohne Kabine Buchen). Da sind wir dann die ersten Stunden damit beschäftigt gewesen, das Schiff zu erkunden und haben uns einen günstigen Drink an der Bar bei Livemusik gegönnt.

Estland

Terre!

Und plötzlich waren wir in Estland. Entlang der Küste gab es im ersten Moment keinen Unterschied zwischen Lettland und Estland, ausser der Sprache.

Estland haben wir vor allem entlang des Euro Velo 10 erkundet. Dieser führte uns von Lettland her kommend weiter der Küste entlang, geht dann um die beiden grossen Estnischen Inseln Saremma (zusammen mit Muhu) und Hiumaa herum und schliesslich weiter zur Hauptstadt Tallinn.

Sehr praktisch waren die Stellen, wo sie eine neue Strasse gebaut haben und die alte parallel dazu als Veloweg stehengelassen haben, da hat man mal so richtig Platz um nebeneinander her zu fahren. Aber auch sonst war das Fahren in Estland angenehmer, die Autofahrer haben mehr Rücksicht genommen und die Strassen waren in einem guten Zustand, meistens auch breiter.

Die erste richtige Destination um etwas anzusehen war Pärnu. Bekannt für seine Strände, die alten Wellnesshotels und schöne Holzhäuser. Auch bekannt ist es für das Museum für moderne Kunst, das genau am Tag nach unserem Besuch eine neue Ausstellung eröffnet hat. Es gab also für uns noch nichts zu sehen. Tja, so kanns manchmal passieren.

An diesem Abend wurden wir aber noch entschädigt durch unseren sehr spannenden Aufenthalt bei einem Warmshowers, der in einem sehr kleinen Dorf in einem alten Haus (das ehemalige Elternhaus, das er jetzt selber modernisiert) wohnt. Es steht dafür direkt an der Ostsee mit schöner Aussicht auf die Bucht von Pärnu.

Von ihm haben wir dann auch schnell gelernt, dass die Ostseebucht um Pärnu jedes Jahr zu gefriert und dass im Winter Temperaturen von -15 bis -35 °C ganz normal sind. Brr.

Das ist aber noch lange nicht alles, was wir von ihm lernen konnten, denn er ist Geschichtslehrer, Linux Benutzer und Science-Fiction Fan. Wir konnten bei ihm alle Fragen zu Estland, dem Baltikum etc. stellen und darüber diskutieren. Es war sehr spannend mit ihm, auch die Sachen die wir in den Museen der anderen Länder gesehen/gelesen haben zu vergleichen mit der Sichtweise in Estland. So ergaben sich auch verschiedene Einblicke in die Zeit in der UDSSR, die er noch aus der Kindheit kennt, und die teils massiven Änderungen danach, die z. B. auch die Arbeitsstellen seiner Eltern betrafen. Mehr eine Anekdote und eine typische Kindheitserinnerung von ihm ist, dass es in Pärnu immer Glace gab, was sonst in Estland eine Seltenheit war in den Läden. Kein Wunder, denn Pärnu war ein Ferienort für hohe Parteiangehörige und sonst wichtige Leute im Land.

Am nächsten Tag fuhren wir der Küste entlang weiter, bis zur Fähre nach Muhu. Die Gegend ist dicht bewaldet, mit kleinen Dörfern und Feldern hie und da. So haben wir vom Meer sehr wenig gesehen, sind aber fürs Mittagessen über einen Kiesweg zu einer kleinen, gemütlichen Bucht gefahren. Die Strassen waren kaum befahren, was sehr angenehm war.

Mit der Fähre sind wir nach Muhu übergesetzt, und haben mitten in der kleinen Insel auf einem leeren Campingplatz übernachtet. Es war niemand da, aber der Besitzer ist so grosszügig und lässt alles offen und heiss Wasser zum Duschen hatte es auch!

Von Muhu kommt man über einen Damm auf Saremaa, die grösste und touristischste der drei Inseln. Es war einer unserer wenigen Regentage, mit morgens fast durchgehend Nieselregen. Gegen Nachmittag wurde es aber schon wieder besser und am Abend hat sogar die Sonne wieder geschienen.

Auf dem Weg nach Kuresaare gibt es einen Meteoritenkrater der ca. 4000 Jahre alt ist. Er ist immer noch kreisrund und definitiv als Krater auszumachen. Die Einheimischen haben den Ort seit dem Einschlag als spirituellen Ort behandelt und bewahrt und das Ereignis in Geschichten von herabstürzenden Sonnen überliefert. Erst seit ca. 1930 ist aber klar, dass es ein Meteoritenkrater ist.

Nach einem kühlen und regnerischen Tag haben wir uns dann in Kurasaare eine Nacht in einem der verschiedenen Wellness Hotels “geleistet”. Da es ein Tag nach Pfingsmontag war, wo sonst nicht viel los ist, konnten wir ein Zimmer mit viel Rabatt buchen. War mal schön, den Tag im Pool und der Sauna ausklingen zu lassen.

Am nächsten Tag ging es dann um drei Viertel der Insel herum. Viel Wald, sehr ruhige Strassen mit wenig Verkehr aber man sieht leider kaum das Meer. Es würde sich sicher lohnen ein paar Tage mit Wanderungen an der Küste und auf den bei Ebbe erreichbaren Inselchen zu verbringen.

Dann ging es mit der Fähre auf die kleinere Insel Hiumaa, die wieder etwas weniger touristisch ist und entsprechend wenig Zeltplätze hat. Wir haben aber in Kärdla in einer kleinen Unterkunft günstig übernachten können und in der Fabrik, dem besten Restaurant im Ort, seeehr lecker gegessen.

Auf der Fähre zurück zum Festland haben wir Estnische Küche kennengelernt und ein traditionelles Getränk zum Frühstück: Kama Erst in Tallinn ist uns dieses Getränk als Dessert wieder begegnet und so haben wir gelernt, dass es eine Art grobes Mehl aus vier verschiedenen Getreiden ist, das Sauermilch oder Kefir zugemischt wird. Von dem Mehl haben wir jetzt einen Sack dabei, für ein leckeres Joghurtgetränk am Mittag oder am Abend, wie es gerade passt.

Auf dem Weg nach Tallinn gab es ausser einem alten Kloster mit besteigbarem Turm nicht viel zu sehen, jedoch nahm der Verkehr deutlich zu. Einige Kilometer ausserhalb von Tallinn hatte es aber einen separaten Fahrradweg, was das Fahren wieder angenehm machte.

In Tallinn gibt es leider nur vier Warmshowers und es hat leider nicht geklappt bei ihnen unterzukommen. Darum haben wir am Morgen bevor wir nach Tallinn gefahren sind versucht eine Unterkunft zu buchen. Hätten wir auch können für so 600 € für drei Nächte und so ähnlich. Es war alles voll ausgebucht, sowohl Hostels, Hotels imd auch auf Air B'n'B. Nach langer Suche und mit viel Glück haben wir dann noch ein Plätzchen gefunden für unser Zelt im Garten eines netten Hostels mit einer ziemlich gestressten Eigentümerin. Von ihr haben wir auch erfahren, warum alles Ausgebucht war: Das Rammstein Konzert.

Das Konzert war im Sängerfestgelände (eine der Sehenswürdigkeiten), das Platz für 75'000 Zuschauer bietet und die Bühne wird eingefasst von einer Tribüne die bis zu 15'000 Sängern Platz bietet. Wir haben spasseshalber Versucht herauszufinden, was denn ein Ticket für das ausverkaufte Konzert kosten würde aber es war auf der Strasse kein einziger Ticketverkäufer auszumachen. Das Konzert war mit 69 bis 99 € für Estnische Verhältnisse sehr teuer.

Apropos teuer: Estland ist das teuerste Land im Baltikum. Ein Zitat von anderen Tourenfahrern aus Berlin: “Die Preise sind wie zu Hause”. Alles (ausser Zeltplätze) wurde etwas teurer als in Lettland und in Tallinn ist dann alles nochmals ein Stück teurer als im restlichen Land.

Die Altstadt von Tallinn ist dann das eigentliche Reiseziel aller Touristen. Sie ist als UNESCO Weltkulturerbe eingestuft und ist von einer fast komplett erhaltenen Stadtmauer eingefasst. Wir haben uns einem Rundgang unseres Papierreiseführers anvertraut und die Stadt zu Fuss erkundet. Am Abend konnten wir dann Gratiskonzerte im Rahmen von 100 Jahre Finnland auf dem Friedensplatz anhören. Estland und Finnland verbindet nämlich eine lange gemeinsame Geschichte, die sich am deutlichsten in der Verwandschaft der beiden Sprachen ausdrückt. Die Fährverbindung von Tallinn nach Helsinki wird auch schon seit den 1960ern betrieben.

Die anderen Sehenswürdigkeiten sind etwas weiter draussen, so dass wir am nächsten Tag wieder ganz froh waren um unsere Velos. Das KUMU ist ein spannendes Kunstmuseum, das von den alten Klassikern Estlands bis zu ganz aktueller Kunst alles abdeckt. Eine Dauerausstellung ist der Kunst und der Kunstszene in der Sovietzeit gewidmet. Das hat sich als sehr spannende Mischung aus Hintergrundinformation und spannenden Kunstwerken entpuppt. Die drei Spezialaustellungen waren unterschiedlich spannend, brachten aber auch ihre interessanten Einblicke.

Wir haben auch dem Maritime Museum einen Besuch abgestattet. Dort sind Segelboote, U-Boote, Wasserminen, Bojen etc. und, speziell interessant, verschiedene Boote um auf zugefrorenen Seen zu segeln ausgestellt. Untergebracht ist das Museum in einer denkmalgeschützen säulenfreien Halle aus 1918, die als Hangar für Wasserflugzeuge gebaut wurde und damals Weltweit einzigartig in seiner Konstruktion war. In einer Spezialaustellungen wurde auf die Seenotrettung eingegangen wo Rettungsinseln, Helikopter etc. ausgestellt waren. Dabei wurden wir auch an das Fährunglück von 1994 der Fähre Estonia erinnert, bei dem nur gerade 110 Menschen gerettet werden konnten. Nach diesem Unglück wurden viele Massnahmen getroffen um solche Unfälle zu verhindern, dass bei einem Unglück die Überlebenschancen höher sind und die Personen auch gerettet werden können. Eines der grössten Probleme war, dass die Wellen so hoch waren, dass damalige Fähren die zu Hilfe kamen, die Personen nicht von den Rettungsbooten aufnehmen konnten und die Rettungsboote nicht für solches Wetter ausgelegt waren (Ein original Rettungsboot war ausgestellt).

Das Estnische Eisenbahnnetz ist scheinbar länger brachgelegen oder es war alles völlig veraltet, denn im Hauptbahnhof Tallinn sieht man ausschliesslich neue Zügen von der Schweizer Stadler Rail und alle Bahnstationen sind neu renoviert und in modernem Design.

Von Tallinn aus haben wir dann die Fähre nach Helsinki genommen, wobei Velos wie auch Motorräder aufs Cargo Deck dürfen, also zusammen mit all den grossen Lastwagen. Ging aber erstaunlich gefahrlos von statten, wenn auch mit pochendem Herzen bei Angela.

Die Einfahrt der Fähre in Helsinki war dann schon das erste Highlight, da dieses Riesenschiff zwischen zwei Inseln hindurch muss, wo die Fähre gerade so Platz hat. Und man geniesst einen herrlichen Blick auf die Altstadt und den Hafen von Helsinki.

Aber das ist ja dann schon Finnland und davon wollen wir euch das nächste mal berichten.

Litauen und Lettland

Čau und labdien! (das ist lettisch)

Unser letzter Bericht ist ja schon seeeehr lange her, wir waren viel unterwegs und haben einiges erlebt. Die Tage sind unendlich lang (Sonnenaufgang ca. 5 Uhr, Sonnenuntergang ca. 10 Uhr, aber so richtig dunkel wird es auch in der Nacht nicht mehr), wodurch auch die Fahrzeit einfach irgendwie länger wird. Inzwischen sind wir schon in Estland, auf der Insel Hiiumaa um genau zu sein, davon berichten wir aber ein andermal.

Zuletzt haben wir berichtet, dass wir mit dem Zug nach Klaipeda in Litauen gefahren sind, und wir haben es nicht bereut. Die Stadt ist ein kleiner Touristenmagnet, da es eine kleine Altstadt mit Pflastersteinen hat (die Hölle mit dem Fahrrad und Gepäck), aber auch einen Fährhafen mit Verbindungen nach Deutschland und ist der einzige Tiefseehafen von Litauen. Das besondere sind aber die Sanddünen und die kurische Nehrung, eigentlich eine sehr grosse Wanderdüne vor der Küste, die halb zu Russland und halb zu Litauen gehört.

Um die Nehrung zu erkunden, haben wir das Gepäck auf dem Campingplatz in Kleipeda gelassen und sind auf einen Tagesausflug. Zu sehen gab es vor allem Wald, wir haben in einem kleinen Kaffee sehr gut gegessen, waren auf der Düne spaziert und sind weiter nach Nida, fast an der russischen Grenze. Es gibt einen guten Fahrradweg, abseits der Strasse, das war sehr angenehm. Aber man muss die ganze Strecke bis Nida fahren, damit man die spanenden Sachen sieht, was etwas mehr als 50 km sind. Also muss man entweder mit dem Bus zurück (was von der Laune und Platz des Busfahrers abhängt) oder das ganze in zwei Tagen machen.

Von Klaipeda sind wir dann via Palanga, das Mallorca von Lettland, ins Landesinnere weiter, zu einem beliebten Badesee im Zemaitijos Nationalpark.

Dort gibt es auch ein altes (damals natürlich streng Geheimes) Atomraketensilo der Sowjets gibt, das inzwischen zu einem sehr interessanten Museum über den Kalten Krieg umgewandelt wurde. Die Führung war sehr spannend, einerseits geschichtlich, diese Zeit haben wir ja zum Glück nur knapp mitgekriegt, aber auch die Entwicklung der Raketentechnik und das Silo selbst. Daraus wurden alle brauchbaren, beweglichen Teile wie Rohre, Kabel, Möbel, etc. von der umliegenden Bevölkerung geklaut, nach dem es von der Sowjetunion in den 70ern aufgegeben wurde.

Von hier war es nicht mehr so weit an die lettische Grenze. Hier an der Grenze sind sogar die Hauptstrassen einigermassen vereinsamt, so dass wir nicht auf kleine, meist sandige Nebenstrassen ausweichen mussten. Gross war dann der Schock, als genau an der lettischen Grenze der schöne Asphalt verschwand und durch eine Schotterpiste ersetzt wurde. Selbst die als Hauptstrasse markierte Strasse war Schotter. Die Gegend an der Südgrenze sieht sehr arm und etwas verwahrlost aus. Es hat viele verlassene Bauernhöfe und alte Plattenbauten, die so gar nicht in die bäuerliche Landschaft passen, die am Zerfallen, aber dennoch bewohnt sind.

Je näher wir zu Riga gekommen sind, desto besser und voller wurden jedoch die Strassen, so dass wir wieder den Zug genommen haben, um die letzten Kilometer in die Hauptstadt zu überwinden. In Riga durften wir wieder bei einem Warmshowers übernachten, der in einem ziemlich grünen Quartier mit vielen renovationsbedürftigen Häusern lebte. Er hat uns “sein” Riga gezeigt, den Hinterhof, wo er mit anderen Künstlern gearbeitet hat und hat Christoph an ein kleines Punkkonzert mitgenommen, wo die beiden die Nacht durchgefeiert haben. Riga hat viele verlassene oder umgenutzte Liegenschaften, wo Konzerte und Veranstaltungen im kleinen Rahmen stattfinden.

In der hübschen Altstadt haben wir dann eine der gratis Führungen in Anspruch genommen, die von der Stadt organisiert werden. Viele der Gebäude mussten nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden und sind gut im Schuss. Wo in den Gassen Platz ist, breiten sich die unzähligen Restaurants aus. Die Häuerschluchten zwischen den 4 - 5 stöckigen Gebäuden sind jedoch meistens eng und mit groben Pflastersteinen versehen. Vor dem Parlament wurde uns dann erklärt, dass in Riga etwa 45% russisch sprachige Letten wohnen, im ganzen Land sind es etwa 30%. Dies macht die russische Partei zur wählerstärksten Partei im Land, die aber immer in der Opposition bleiben wird, da die verschiedenen lettischen Parteien immer eine Koalition bilden. Es gibt russische Schulen bis Gymnasiumslevel und wer in Riga eine Stelle möchte, muss sowohl russisch als auch lettisch beherrschen. Trotzdem ist russisch keine Landessprache und das staatliche Fernsehen wird nur in lettisch ausgestrahlt. So schwelt ein Konflikt zwischen den Sprachgruppierungen und unser Guide hat die Lösung dieses Konflikts als eine der grössten Aufgaben der Regierung in der nahen Zukunft bezeichnet.

Nachdem wir den nicht-touristischen Süden gesehen haben (Die Eltern von unserem Warmshowers haben uns ausgelacht als er erzählt hat, wo wir über die Grenze sind), sind wir dann nach Sigulda zum Fluss Gauja, einem der schönsten Gebiete in Lettland. Das Umland ist genauso Flach wie überall in Lettland, aber die Flüsse haben etwa 50 m tiefe Täler in den Sandstein gegraben. Sigulda ist das einzige Skigebiet in Lettland und hat sogar eine Bobbahn.

Im Sommer kann man hier Kanu fahren, in den Seilpark, wandern oder mit dem Fahrrad die Wälder erkunden. Mountainbikes wären für den Trip den Fluss hoch geeigneter gewesen, aber gelohnt hat es sich trotzdem.

Am ersten Tag waren wir in einem Freilichtmuseum, wo alte Häuser und eine Burg erhalten werden und die Geschichte der Gegend ab der Erstbesiedelung erklärt hat. Hier wurde auch die Zeit vor der Christianisierung durch die Deutschen im Detail behandelt, wie die verschiedenen Stämme und ihre Sprachverwandtschaften und die Handelswege bis ins byzanthinische Reich. Dies hat eine grosse Lücke gefüllt, denn in Riga hat die “offizielle” Geschichtsschreibung erst mit der Christianisierung begonnen und dem Wandel zu einer Hansestadt unter deutscher Herrschaft.

Einen weiteren Einblick in die Zeit der Sowjetunion hatten wir am nächsten Tag, als wir in den Regierungsbunker Lettlands hinabstiegen, der im Gaujatal unter einer Ferienresidenz für die Parteiführung gebaut wurde. Die Anlage ist noch komplett funktionstüchtig, wird aber seit dem Beitritt zur EU und NATO nicht mehr als Regierungsbunker verwendet. Entsprechend sind auch noch alle Einrichtungsgegenstände vor Ort, wie in den 80ern, wie auch Evakuierungspläne für das ganze Land im Falle eines Atomkrieges. Aus der Ferienresidenz ist eine Rehaklinik geworden, die aber auch immer noch im gleichen Stil eingerichtet ist, zumindest in der Eingangshalle. Eine veritable Zeitreise in die Vergangenheit…

Von Sigulda aus sind wir dann weiter dem Eurovelo 10 entlang an die Küste. Zum ersten Mal mussten wir mit starkem Gegenwind kämpfen, was unsere Etappe etwas verkürzt hat. So sind wir in Limbazi gelandet, ein grösserer Ort, dessen Touristenkarte am Stadtrand drei Unterkünfte versprochen hat. Leider hatten alle drei geschlossen, doch der Velomech des Ortes organisierte einen Freund, der mit uns zuerst 3 km an den Stadtrand gefahren ist, um uns dort im Studentenwohnheim einer technischen Hochschule unterzubringen. Als das nicht geklappt hat sind wir, nach einigen Telefonaten, mit ihm nochmals 6 km ins benachbarte Dorf gefahren, wo wir dann in einer Ferienwohnung (für 4 Personen) im Stil einer Massivholzhütte untergekommen sind.

Ein Frühstart (Aufstehen um 4, losfahren um 5 Uhr) und der schützende Wald an der Küste hat uns am nächsten Tag, es war der 2.6., trotz starkem Wind, bis an die Grenze Estlands und noch ein wenig weiter gebracht. Nicht einmal der Hagel, der uns in der 2. Frühstückspause überrascht hat, konnte uns lange aufhalten. Die etwas verlängerte Pause im Schutze der lokalen Bibliothek hat aber dazu geführt, dass Christoph zwei Deutschbücher für die neunte und zehnte Klasse mitgenommen hat. Die Bücher von 1968 waren ein Kunstwerk an Sprachvermittlung und gleichzeitiger Propaganda.

Abschliessend ist zu Lettland zu sagen, dass es bisher das einzige Land war, das nicht wirklich für Tourenfahrer geeignet ist. Es gibt entweder stark befahrene Hauptstrassen, die die Metropolen verbinden, oder dann Sand- bis Kiesstrassen, die staubig und unangenehm sind. Die Autofahrer nehmen eher wenig Rücksicht, jedenfalls im Vergleich zu den Nachbarländern und Polen.

Polen Teil 2 und Litauen

Laba denia!

Inzwischen sind wir bereits in Litauen, die Zeit vergeht schnell!

Aber von vorne: Zuletzt haben wir Euch einen Bericht aus dem Urwald versprochen. Der weite Weg bis nach Bialowieza hat sich wirklich gelohnt. Seit 1921 steht dieses letzte Stück Urwald in Europa unter Schutz und es darf nur in Begleitung mit einem Guide betreten werden. Im Gegensatz zu unseren aufgeräumten Wäldern bleiben die Bäume hier liegen, wenn sie sterben. Auch sterben viele Bäume im Stehen, und fallen teils erst Jahrzehnte später um. Ein Baum braucht 40 - 100 Jahre, bis er Humus ist, in der Zwischenzeit leben hunderte Insekten- und Pilzarten in und auf dem Baum. Dadurch hat es hier auch viel mehr Vögel als anderswo, z.B. 10 verschieden Spechtarten. Auch gibt es hier so richtig alte, noch lebende Bäume, wovon uns jeder einzelne von unserem fast ebenso alten Guide gezeigt wurde. Hier stehen Eichen, die sind ca. 450 Jahre alt, die haben schon den Königen und Zaren beim Jagen zugeschaut…

Die Wölfe und Bisons haben wir leider nur im “Reservat”, einem kleinen Zoo im Park, gesehen. Dafür ist auf der Weiterfahrt ein Elch in aller Ruhe über die Strasse gelaufen, ein tolles Erlebnis!

In Bialystok durften wir via Warm Showers bei einer Familie übernachten. Bialystok wurde im 2. Weltkrieg total zerstört, die Altstadt aber wieder restauriert. Im Gegensatz zu den Häusern können aber die vielen Menschen, die getötet wurden, nicht wieder zurück gebracht werden. Vor dem ersten Weltkrieg lebten 50% Juden in Bialystok, jetzt keine mehr. Entsprechend haben sich die Juden hier auch gewehrt, erfolglos.

Von Bialystok haben wir dann ein bisschen mit dem Zug abgekürzt und sind nach Augustov, ein weiteres Ferienparadies mit viel Wald und Seen. Die Karte hat eine schöne Strecke versprochen, leider war es eher eine Tortur. Die Wege durch den Wald waren sandig und nicht wie erhofft am Ufer entlang, so dass wir die schöne Landschaft kaum sehen konnten. Am Ende des langen Tages dann doch noch ein Highlight, wir haben einen schwarzen Storch gesehen! Während im Sommer ca. 40'000 - 60'000 weisse Störche in Polen sind, gibt es von den schwarzen Störchen nur etwa 1000.

Am nächsten Tag hiess es dann auch schon die letzten Slotis ausgeben (Was bei den niedrigen Preisen für Lebensmittel etc. nicht einfach ist), denn wir haben bereits die Litauische Grenze erreicht! Hier hinten ist das Land auch wieder hügliger, die Strasse geht auf und ab.

Ein grosser Unterschied zu Polen fällt uns sofort auf, es gibt viel mehr Schilder. Für uns interessant, alle Unterkünfte werden an der Hauptstrasse ausgeschildert, was uns das Suchen doch stark erleichtert. So sind wir dann in einem guten Hotel mit leckerem Essen gelandet, für 44 Euro das Zimmer inkl. Frühstück. Angelas persönliches Highlight war das “Honigbier”, eine Art Met aber gebraut wie Bier mit etwas Hopfen, das zum Abendessen ausgeschenkt wurde.

Die erste touristische Station in Litauen war dann Trakai, eine kleine Stadt auf einer Halbinsel, umgeben von schönen Seen und mit einer wieder aufgebauten Burg. Die Burg haben wir uns nur kurz angesehen, dafür haben wir uns über ein kleines Türkenvolk, die Karäer, informiert, die im 14. Jahrhundert zusammen mit dem Fürst, der die Burg gebaut hat, nach Trakai kamen. Auffällig war, dass es keinerlei Gegenstände aus der Zeit zwischen 1930 und 1990 gab, erst nach der Unabhängigkeit Litauens wurde die Gemeinde wieder aktiv. Sie haben sich jedoch die Sprache und Religion erhalten. Ihre traditionelle Küche hat uns jedenfalls geschmeckt und war eine willkommene Abwechslung.

Von Trakai haben wir dann den Zug nach Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, genommen, um die stark befahrenen Strassen zwischen den Städten zu umgehen.

Was für ein Wochenende in Vilnius!

Vilnius ist voller Gegensätze und hier wird bewusst, dass das Land noch im Aufbau ist. Die Altstadt, wo sich die meisten Touristen bewegen, ist in einem guten Zustand, viele Häuser sind restauriert mit vielen Restaurants und Bars. Das Gebiet darum herum zeigt aber die Schäden, die die sowjetische Okkupation angerichtet hat. Die Häuser und Strassen sind in einem schlechten Zustand, es sieht alles etwas schäbig aus aber es funktioniert alles und die Einwohner scheinen alle so weit zufrieden zu sein (Und zeigen gerne, dass sie die neuesten Modetrends kennen).

Wir sind am Freitag Nachmittag in Vilnius in der Jugendherberge angekommen und haben uns informiert was denn so läuft. Schnell wurde klar, dass wir ein voll bepacktes Wochenende erwischt haben. Es ging los am Freitag mit einem Kurzfilmfestival (am Mittag aber noch schnell ins Eisenbahnmuseum) das um 19 Uhr begann und bis ca. 2 Uhr haben wir durchgehalten (auf dem Programm standen immer noch etwa fünf Filme). Darunter waren nette Geschichten mit guten Schauspielern und auch nachdenkliche Filme wie ein persönliches Erlebnis in Israel und dem West Jordan Land oder eine lange Dokumentation über die Ukraine begonnen bei den Majdan Protesten, über das Abspaltungsreferendum in der Ostukraine bis hin zum Bürgerkrieg. Die Dokumentation hat mehrere Personen über ca. vier Jahre begleitet und zeigt wie zerrissen das Land derzeit ist. Zitat: “Alle wollen das Gleiche; Friede, Entwicklungsmöglichkeiten, Selbstbestimmung. Aber sie wollen es auf völlig unterschiedlichem Weg erreichen”.

Am Samstag Nachmittag ging es dann weiter mit dem Festival der Strassenmusikanten, was sich auch schon am Freitag bemerkbar machte. In der ganzen Altstadt waren Musiker und Bands am spielen. Es war ein sehr warmer sonniger Tag und es waren entsprechend auch viele Zuhörer unterwegs.

Am Samstag Abend ging es dann weiter mit der langen Nacht der Museen. Diese kannten wir schon aus der Schweiz und haben uns gefreut, so in ein paar Museen hineinzusehen, bei denen wir unsicher waren, ob sich der Besuch für uns lohnt. Der Andrang war riesig und die Museumsnacht ist hier genauso ein voller Erfolg wie in der Schweiz. Das Highlight für uns war der Palace of the Grand Dukes of Lithuania. In den oberen Stockwerken kann man die original Zimmer des Fürsten von Litauen besichtigen. Was uns nicht so interessiert hatte und wir darum ohne Museumsnacht nicht hingegangen wären. Im Untergeschoss aber werden die archäologischen Ausgrabungen der alten Gebäude aus dem 16. Jh. und der vorgänger Burgen aus dem 13 Jh. präsentiert. Das ganze ist sehr Aufwändig gestaltet und es gibt sehr viele erhaltene Gegenstände aus dieser Zeit. Nicht nur Münzen und Tonscherben wie sonst sondern auch Wagenräder aus dem 14 Jh., Lederhandschuhe aus dem 16. Jh. und vieles mehr. Am spannendsten daran war aber, dass sie diese archäologischen Fundstücke dazu nutzen, die Geschichte von Litauen mit vielen Begleittexten zu erzählen.

Am Sonntag Nachmittag haben wir uns dann Zeit genommen für das Museum im ehemaligen KGB Hauptquartier. Zu sehen ist auch der Gefängnisteil im Keller dieses Gebäudes. Thema ist die Unterdrückung, Verschleppung und Ermordung von ca. 600'000 Menschen durch die Nazis und die Sowjets.

Am Abend sind wir dann noch an ein gutes Konzert von Sinage mit anschliessendem DJ Set von No(Spin), beide aus Vilnius. Im Gespräch im Anschluss hat sich dann herausgestellt, dass Sinage sein Album an diesem Abend das erste mal als Live Performance präsentiert hat.

Nach so einem Wochenende brauchen auch wir einmal etwas Ruhe und sind darum (schon wieder) mit dem Zug an die Ostsee, nach Klaipeda gefahren.

Polen Teil 1

Dzień Dobre

Wir sind nun seit zwei Wochen in Polen unterwegs und sind jetzt mehr als 1000 km Unterwegs. Wir sind jetzt auch merklich fitter als am Anfang, wir sind jetzt schon mehrere Etappen mit über 100 km am Tag gefahren.

Als erstes ist uns aufgefallen, dass man einen Unterschied riechen kann, denn in Polen wird relativ oft noch mit Steinkohle geheizt. Das liegt daran, dass Polen eigene Steinkohleminen hat. Diese werden der Arbeitsplätze willen auch immer noch von der Politik unterstützt. Nach einigen Tagen in Polen ist uns auch aufgefallen, dass die Polen unglaublich gerne Rasen mähen. In jedem Dorf ist zu jeder Uhrzeit irgendwer am Mähen, mit teils uralten Ungetümen und immer von Hand (nichts mit Robotern). Auch die Häuser sind oft bunt bemalt und oft gut in Schuss. Da sieht man auch schnell, wer Geld hat und dies zeigen möchte und wer nicht.

Was auch ziemlich schnell auffällt, sind die sehr vielen Statuen von Johannes Paul II, der ja aus Polen stammte. Diese Statuen gebe es im ganzen Land und nicht nur im Süden wo sein Geburtsort, Wadowice, liegt. Dort sind wir nicht durchgefahren sondern etwas östlich nach Kalvaria Zebrzydowska. Wie der Name andeutet ist dort ein Kalvarienberg, eine Anordnung von 40 Kapellen, die die Lebenstationen von Jesus und Maria symbolisieren. In der Slowakei in Banska Stiavniza haben wir schon mal etwas ähnliches gesehen, hier sind es aber noch mehr Kapellen und der breite der Wege nach auch viel mehr Pilgerer die an den hohen Festtagen hier zusammen kommen.

Wir haben es auch gleich am ersten Abend geschafft, das bisher teuerste Hotel in Polen zu finden. In dieser Ortschaft gab es sonst nicht viel Auswahl und das üppige Frühstücksbuffet war es wert, das einmal zu sehen. Das war ein Polnisches Frühstück wie es in unserem Reiseführer angekündet war: Schwer, viele verschiedene Arten von Fleisch und Eiern, Pasteten, Käse, Brot…

Dann ging es weiter nach Krakow. Auf dem Weg dorthin durften wir lernen, dass der 3. Mai der Nationalfeiertag in Polen ist. In Skawina sind wir pünktlich zu einem Umzug durch die Stadt gekommen. Da sind sogar die Polizisten festlich gekleidet, die den Verkehr für den Umzug aufhalten.

Der Nationalfeiertag machte die Suche nach einer Unterkunft ziemlich schwierg, aber wir konnten dann doch noch einen Warm-Showers erreichen, der sein WG Zimmer mit uns teilte. Am Ende für vier Nächte.

Nelson half uns in Krakow auch dabei, das Velo von Christoph reparieren zu lassen. Die Felge vom hinteren Rad gab den Geist auf (Schon zwei Tage bevor wir in Polen waren). Eine Notreperatur half, bis wir einen Veloladen fanden, der ein Ersatzrad an Lager hatte.

Mit Nelson hatten wir viele gute Gespräche über die Geschichte Polens, Politik, Mathematik (da er Mathematiker ist) und bekamen natürlich viele gute Tipps fürs Velofahren in Polen. Am Samstag hat er uns dann eine ausgiebige Stadtführung gegeben und uns noch viel mehr über die verschiedenen Könige und Kriege erzählt die Polen und Krakow beinflusst haben.

Ein Grund für den Reichtum von Krakow sind die Steinsalz Minen in der Umgebung. Eine davon haben wir auch besucht. Beeindruckend waren die verschiedenen Holzkonstruktionen darin und die Kapellen die innerhalb der Mine gebaut wurden.

In Krakow haben wir auch den lokalen Hackerspace besucht, der fast gleichalt ist, wie unser Ruum42 in St. Gallen, nämlich gegründet im Oktober 2012. Das lustige ist, dass er auch fast gleich gross ist und etwa gleich viele Mitglieder zählt.

Nach Krakow ging es dann weiter in Nord-Östlicher Richtung. Dabei kamen wir durch eine Region die uns sehr stark an den Thurgau erinnert hat: Es gab keine direkte Strasse von einem Ort zum anderen, dafür ganz viele Strassen. Und es hatte blühende Öpfelbäume so weit das Auge reichte.

In der schönen Mittelalterstadt Sandomierz sind wir das erste Mal auf den “Green Velo” Veloweg gestossen. Wir hatten schon vor der Abreise davon gelesen und versucht mehr Informationen dazu zu finden. Was sich aber als schwierig herausstellte. Im lokalen Tourist Office wurden wir so dann mit gutem Kartenmaterial ausgerüstet. Auch die Beschilderung vom “Green Velo” ist vorzüglich und steht Schweizer Velorouten in nichts nach. Sehr positiv überrascht waren wir über die Pausenstationen die entlang der Route vorhanden sind. Ausgerüstet mit überdecktem Tisch, Veloständern, Recycling-Station und Routeninformation. Seither haben wir schon zig Kilometer auf diesem Veloweg nach Norden gemacht. Wir kommen so auch schneller vorwärts, weil wir nicht die ganze Zeit auf der Karte den Weg nachsehen müssen.

Christoph wurde schon vorgewarnt, aber das ganze Ausmass wurde erst jetzt deutlich: Polen besteht aus Sand. Wesentlich früher als gedacht sind wir auf die ersten Strassen gestossen, die nur aus losem Sand bestehen. Ohne sonstigen Belag oder Kies sinken unsere schweren Velo da einfach ein und es hilft nur noch schieben. Es ist trotz den verschiedenen Karten die wir nutzen schwierig, zuverlässig herauszufinden ob eine bestimmte Nebenstrasse aus Sand besteht oder nicht…

Zum Glück hat es hier im äussersten Osten (wir sind an der ukrainischen und weissrussischen Grenze unterwegs) so gering, dass wir problemlos auf den Hauptstrassen fahren können. Das Gelände ist jetzt fast flach, viel Wald und kleine Dörfer, was das finden einer Unterkunft teils schwierig gestaltet. So sind wir letzte Nacht bei einer Familie untergekommen, die dann plötzlich doppelt so viel für ihr Zimmer wollte, als sonst üblich hier in der Region. Insgesamt sind die Unterkünfte sehr günstig, sauber und einfach aber anständig.

Morgen kommen wir endlich zu den letzten Urwäldern Europas, im Reservat Bialoweski Nationalpark. Hier gibt es auch noch Bisonherden, wir sind sehr gespannt.

Slowakei

Ahoj und dobry!

Die Reise hat jetzt so richtig begonnen, wir sind unterwegs und schon fast wieder an der polnischen Grenze.

So zur Info vorne Weg, das Wetter ist uns bis jetzt mehr oder weniger hold geblieben. Kein Schnee, fast kein Regen ;-) Das scheint in der Schweiz ja nicht der Fall zu sein, uns erreichen Nachrichten von 20 cm Schnee in Walzenhausen…

Aber von vorne:
Aus Wien raus fahren war ein Abenteuer, wir mussten 5 mal den Marathon queren. Im Nachhinein hätten wir besser den Zug genommen… Danach sind wir aber bei Sonnenschein und starkem Rückenwind bis fast nach Bratislava geflogen. In Hainburg, einem kleinen Ort mit altem Dorfkern und Stadtmauer haben wir dann übernachtet, so dass wir am nächsten Tag nur noch eine kurze Strecke bis Bratislava hatten.

Marek von Warmshowers hat uns in Bratislava eine Nacht aufgenommen, und uns die schöne Stadt mit Burg, Altstadt und Stadtmauer gezeigt.

Am nächsten Tag sind wir dann aber schon weiter, da bald schlechtes Wetter angesagt war und wir die schönen Tage lieber auf dem Rad als im Museum verbringen wollten.

Nach Bratislava sind wir Richtung Banska Stiavnica weiter, in die kleine Tatra, also in die Hügel. Je weiter weg von Bratislava, desto weniger Verkehr hatte es. Das Land hier ist sehr von der Landwirtschaft geprägt, Rapsfelder und blühende Apfelbäume, wohin das Auge reicht. Die Felder sind hier grösser als bei uns, gehören aber hunderten von Eigentümern, die das Land in einer Genossenschaft bestellen.

Wir konnten unterwegs bei Juraj und seiner Familie übernachten, und durften slowakische Gastfreundschaft erleben. Nicht nur wurden wir mit Abendessen, Kuchen und Frühstück verwöhnt, wir haben auch noch Radieschen aus dem Garten und Kekse mit auf den Weg bekommen. Die Osterkekse waren wunderschön dekoriert, leider haben wir sie gegessen, bevor wir auf die Idee kamen, ein Foto zu machen…

Von Juraj war es noch ein anstrengender Tag bis Banska Stiavnica hoch, durch Wälder und kleine Dörfer (Mittagsmenu für 3.50€ ist hier üblich), bis auf 750 m ü M. Das Wetterglück war auf unserer Seite, es war den ganzen Tag bewölkt und kaum waren wir im Hotel angekommen, hat es angefangen zu regnen und 24 h nicht mehr aufgehört.

Mit dem Hotel hatten wir Glück, ein wunderschön renoviertes 400 jahre altes Krankenhaus, passend zum Ort, der zum Unesco Welterbe zählt. Den Regentag haben wir denn auch genutzt, um uns den Bergbauort anzuschauen, wo Gold, Silber und Eisenerz geschürft wurde. Heutzutage gibt es noch eine Goldmine, die jeden Tag 2 kg Gold aus dem Berg holt. Auch interessant war die Entdeckung, dass in Banska Stiavnica 1763 (!) eine der ältesten technischen Universitäten Europas mit Schwerpunkt Bergbau gegründet wurde, damals noch ungarisch. Mit der Gründung der Tschechoslowakei ist die Universität jedoch nach Ungarn umgezogen.

Die letzten zwei Tage sind wir weiter Richtung Polen unterwegs. Es ist noch immer kalt, 12 °C im Schatten, aber sonnig. Inzwischen fahren wir schon an die 60 - 70 km pro Tag, was angesichts der hügeligen Landschaft und Umwegen über Berggebiete wegen Bauarbeiten (noch schnell mal auf 850 m hoch) gar nicht so schlecht ist. Gestern haben wir in einem Kurort mit Thermalquelle übernachtet. Das Bad im heissen Wasser nach dem anstrengenden Tag war herrlich.

Die Verständigung hier in der Slowakei ist erstaunlich einfach, obwohl wir nur 7 Worte können: Guten Tag, Auf Wiedersehen, bitte, danke, Tee und Kaffee und natürlich Bier. Viele Menschen hier können deutsch, die jüngere Generation auch englisch und sonst sind sie recht gut mit Händen und Füssen ;-)

Auch einkaufen kann man in jedem Kaff (und von denen hat es sehr viele, so alle 5 km etwa), sogar am Sonntag und bis Abends um 9.

So, das wars zu den letzten Tagen. Morgen ist der 1. Mai, ein grosser Feiertag hier.

Abreise und Wien

Servus und grüssgott ihr lieben Daheimgebliebenen,

Jetzt ist es so weit, wir sind unterwegs!

Zuerst möchten wir uns bei allen, die uns in den letzten Tagen und Wochen unterstützt haben und uns gute Wünsche mit auf den Weg gegeben haben, herzlichst bedanken. Alleine hätten wir das nie geschafft! Und die Austrinkete war ein grossartiges Fest, das uns die Abreise doppelt so schwer gemacht hat.

Am Donnerstag sind wir endlich voll bepackt und wohlauf in Wien angekommen und haben uns bei Samuel von Warmshowers einquartieren dürfen. Samuel wohnt in einer gemütlichen WG am Yppenplatz, in einem Quartier das ziemlich in geworden ist und nahe beim Zentrum ist.

Am Freitag sind wir dann bei Sonnenschein durch die Innenstadt geschlendert (wow, hat es hier viele Touris!) und haben am Abend bei einer Velodemo teilgenommen (critical mass). Dabei geht es darum zu zeigen, dass es auch andere Verkehrsteilnehmer gibt, als die Autos… Dabei sind wir 2.5 h quer durch Wien gefahren, so eine Art alternatives Sightseeing mit Überraschungseffekt. Die Polizei war auch mit dabei, auf Velos, Motorrädern und ein Auto vorne weg, das aber eher langsam gefahren ist.

Heute hat uns Heinz, ein Wikipedianer von Wien sein Quartier um den Taborplatz gezeigt und die Geschichte erklärt. Auch hat er ein bischen erzählt, wie Veränderungen wie z.B. die Verbreiterung der Donau zum Hochwasserausgleich das Leben der Wiener massgeblich beeinflusst hat, da sie dadurch zu 60 km Strand gekommen sind. Offenbar gibt es in Wien auch 10 unterscheidbare Dialekte, die wir aber selten zu hören bekommen, weil alle Österreicher “Hochdeutsch” mit uns sprechen. Danach waren wir im Museumsquartier, haben uns eine Ausstellung zum Thema “Gefühle in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft” angeschaut und natürlich einen Abstecher zu den Comics zum Thema Ruhestand gemacht.

Morgen geht es nun weiter Richtung Bratislava, hoffentlich nicht zu nass und mit Rückenwind (die Wettervorhersage verspricht viel).

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