Finnland, Stockholm

Unsere Route

Finnland

Hei!

In Helsinki durften wir wieder mal spanische Gastfreundschaft geniessen, da unser Warmshowers Host so wie der in Krakow ursprünglich aus Spanien kommt. Er arbeitet als Somelier in einem super teuren Gourmetrestaurant. Was man eigentlich nicht bemerken würde, ausser dass Christoph gleich zu beginn mit einem Kaffee versorgt wurde, der mit einem speziellen Filterpapier (Chemex) gebraut wurde, bei dem die Kaffeebohnen und die Wassermenge per Waage genau abgemessen wurden. Und wie hats gescheckt? Für einen Filterkaffee sehr gut, weil nicht bitter. Christoph bleibt aber dem starken Espresso treu (Und fährt weiterhin seine Bialetti Mokka Kanne herum).

Unser Host hat uns dann mit Tipps versorgt, was wir in Helsinki so alles ansehen sollten. Zuoberst war Suomenlinna. Dies sind drei Inseln vor Helsinki auf denen eine Festung steht. Für die Verteidigung von See gut gelegen, da auch heute noch die Fähre von Tallin genau bei diesen Inseln hindurch muss.

Heute hat es auf der Insel mehrere Museen und es ist ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Einheimische, um spazieren zu gehen, an den Strand zu liegen etc.

Wir bekamen auch einen Tipp für ein kleines Kaffee an einem Hafen, bei dem die Leute schlange stehen. Die Kuchen waren es jedenfalls wert.

Nach diesen zwei Hauptstädten und den ganzen Eindrücken waren wir froh, als wir wieder am Velofahren waren und wir wieder in ruhigeren Gegenden waren. Wir haben dann gleich nach der Stadt unsere erste “Wilde” Übernachtung auf einer kleinen Insel erlebt. Das ist ja in Skandinavien erlaubt (Bedingung ist, dass man kein Haus sieht).

Wie erwartet gibt es darum nur wenige Campingplätze (Mit warmer Dusche etc.). Später in Hanko waren wir dann auf so einem und waren etwas erstaunt über die hohen Preise (27 € pro Nacht im Zelt).

Am nächsten Tag sind wir durch ein Gebiet gefahren, das nach den 2. Weltkrieg von der Sowjetunion gepachtet wurde. Es wurde 1956 wieder zurückgegeben. Es gibt dazu ein kleines Museum und mit Glück findet man noch Zeitzeugen.

Finnland war für uns erstaunlich anstrengend mit dem Velo. Wir wussten ja schon, dass es ganz viele Inseln und Seen gibt in Finnland, konnten aber noch nicht abschätzen was das fürs Velofahren heisst. Das erste, das schon in Helsinki auffällt ist, dass wir aus den flachen Gebieten, die nur aus Sand bestehen, weg sind. Finnland besteht aus massivem Fels, der von Gletschern geformt wurde. Das sieht man sehr deutlich und es ist auch immer mal wieder spannend anzusehen, was das für Landschaften formt.

Es ist aber auch ziemlich anstrengend, da es die ganze Zeit auf und ab geht. Das wäre eigentlich nicht schlimm, es sind ja jeweils nur ein paar Höhenmeter (so bis max. 30 m, meistens viel weniger) aber die Nebenstrassen sind sehr hügelig und können ganz schön steil sein. Das macht es unmöglich in seinen gewohnten Rhythmus zu kommen.

In Turku gab es dann wieder etwas mehr Stadtprogramm mit einer Führung durch das alte Schloss und einem Besuch beim örtlichen Hackerspace.

Die Altstadt von Turku ist praktisch nicht mehr vorhanden da sowohl ein grosses Feuer einen grossteil (5/6) der Altstadt zerstört hat und Turku im 2. Weltkrieg bombardiert wurde. Das führt heute zu einer ziemlich hässlichen, wahllosen Zusammensetzung von Häusern.

Am spannendsten für uns war der Besuch des Turku Luostarinmäki, das ist das einzige Quartier, dass das verherende Feuer überstanden hat, weil es etwas ausserhalb lag. Heute ist es ein Freilichtmuseum, das mitten in der Stadt liegt und wo altes Handwerk aktiv gepflegt und weitergegeben wird. Es ist in seiner Form einzigartig, da keine Häuser “gesammelt” und umplatziert wurden und es sind auch alles original Häuser ohne Rekonstruktionen.

Gewohnt haben wir in einem ausgedienten Kreuzfahrtschiff, der Bore. War sehr angenehm, preislich auch interessant und irgendwie lustig durch die Gänge zu gehen und eine Kabine zu haben aber sich nicht zu bewegen. Praktisch war dann auch, dass es gleich neben dem Hafen für die Fähre nach Stockholm festgemacht ist.

Die nächste Nacht haben wir dann auf dem Fährschiff nach Stockholm verbracht. So richtig mit eigener Kabine (Übernacht Fähren lassen sich gar nicht ohne Kabine Buchen). Da sind wir dann die ersten Stunden damit beschäftigt gewesen, das Schiff zu erkunden und haben uns einen günstigen Drink an der Bar bei Livemusik gegönnt.

Stockholm

Wir sind morgens, zwanzig vor sieben, in Stockholm angekommen. Die mittelalterliche Altstadt haben wir schnell gefunden, und auf der Suche nach einem Café oder einer Bäckerei die menschenleeren Strassen erkundet. Einzig eine Gruppe Chinesen war auch so früh unterwegs. Erst um acht öffnete dann endlich die erste Bäckerei, und bald waren die Strassen voll mit Touristen.

Wir sind aber zuerst zu Cécile gefahren, einer Fahrradaktivistin, die uns bei Kaffee und Tee etwas über die endlosen Gespräche mit Politikern und Polizisten erzählte. Für uns Schweizer erscheint Stockholm mit seinem umfangreichen Velowegnetz schon fast als Paradies für Fahrradfahrer. Doch auch uns sind einzelne Ecken aufgefallen, wo die Strassenführung unklar oder sogar gefährlich ist. Trotzdem, es war sehr angenehm, auf den meisten Strassen klar gekennzeichnete Fahrradspuren zu haben und sich zwischen Autos und Fussgängern gleichberechtigt zu fühlen. Entsprechend viele Stockholmer benützen auch das Rad als Fortbewegungsmittel, speziell jetzt im Sommer.

Am Nachmittag wollten wir dann eine Stadtführung mitmachen, die aber abgesagt wurde. Also sind wir ins Nobelmuseum und haben uns dutzende Wissenschaftler angeschaut, die einen Nobelpreis erhalten haben mit (manchmal zu) kurzen Erklärungen, wofür sie diese erhalten haben. Nach einer sehr leckeren Pizza bei einem kleinen Italiener (2 Tische und viel Take away), sind wir noch ins Fotomuseum mit einer umfangreichen Ausstellung mit Pferdebildern. So wurde es auch ziemlich spät, bis wir wieder bei Cécile zu Hause waren. Das Museum hat bis um 1 Uhr nachts geöffnet und wurde tatsächlich am Abend auch rege besucht.

Am nächsten Tag konnten wir unsere Sachen bei Cécile im Schuppen lassen, während wir noch einen Tag die Stadt mit dem Fahrrad erkundeten. Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem Mittsommerfest, haben aber bei der Umrundung der verschiedenen Inseln, auf die Stockhom verteilt ist, keine grosse Feier gefunden. Stattdessen waren an jeder schönen Ecke am Wasser oder in den unzähligen Parks, jeweils Freunde oder Familien zusammen am Picknicken. Das sah sehr gemütlich aus, jedoch konnten wir uns nicht einfach dazu gesellen. Beim Vergnügungspark und dem Freilichtmuseum nebenan waren sehr viele Familien unterwegs, die die Feiertage für einen Ausflug nutzten. Doch kaum waren wir ein paar hundert Meter weiter, waren wir wieder in stillen Parkanlagen und auf erstaunlich leeren Strassen unterwegs. Auch die Stadt ist bei Mittsommer wie ausgestorben, da die meisten Stockholmer offenbar aufs Land fahren, um bei Feuer und mit viel Bier zu feiern.

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