Dänemark, Norddeutschland

Unsere Route

Dänemark Teil 1

Hei!

Von Stockholm sind wir dann über Nacht nach Kopenhagen gefahren. Leider ist der Transport von Fahrrädern im Zug nicht vorgesehen, also wurde es eine ungemütliche Nacht im Bus. So haben sich denn auch die 60 km von Kopenhagen nach Roskilde am nächsten Morgen auch länger angefühlt, als wir uns das gewöhnt sind. Der Gegenwind hat wohl auch noch ein bisschen dazu beigetragen.

Dänemark hat ein ähnlich dichtes Netz an Fahrradrouten, national und regional, wie die Schweiz. Diese sind auch ziemlich gut ausgeschildert, so dass man fast ohne Karte auskommt. Einzige Ausnahmen bilden die Städte, wo es oft keine Schilder hat und die Abzweigungen, wo die Schilder hinter Hecken, Grasbüscheln, Leitplanken oder anderen Schildern versteckt sind.

Auf dem Weg nach Roskilde sind wir per Zufall an einem interessant aussehenden Gebäude vorbei gekommen, wo sich ein Museum für moderne Kunst drin versteckt, namens Arken. Die aktuelle Austellung zeigt hyperreale Abbildungen von Menschen, so dass man manchmal zwei mal hinschauen musste, um den Unterschied zwischen Mensch und Kunstwerk feststellen zu können. Beeindruckend fanden wir vor allem, wie detailliert die Haut war, wie bei echten Menschen mit Äderchen und Sommersprossen und Muttermalen.

In Roskilde haben wir die meiste Zeit am Openair Festival verbracht, eines der grössten Musikfestivals Europas, mit ca. 130'000 Besuchern (inkl. den ca. 25'000 Freiwilligen, die für 32 Stunden Arbeit ein Gratisticket bekommen). Die erste Nacht haben wir aber noch bei Gaby übernachten können, die auch ein Mitglied bei Warmshowers ist und die sich die letzten zwei Monate dankbarer Weise als Postadresse zur Verfügung gestellt hat, für unsere Pakete mit Sachen fürs Festival, wie auch einige Ersatzteile, die wir inzwischen benötigt haben. Wir sind Gaby sehr dankbar, dass sie uns weit über die übliche Gastfreundschaft hinaus bei unserem Projekt Roskilde Festival unterstützt hat, uns ein Ersatzzuhause in einer fremden Stadt gegeben hat, wo wir duschen und Wäsche waschen und unsere Sachen sortieren konnten.

Nach dem vollen Programm am Festival konnten wir uns erst einmal einen Tag bei Dorte und Heiner erholen, die in einer Wohngemeinschaft mit mehreren Familien auf einem Bauernhof bei Jystrup sehr idyllisch auf dem Land wohnen. Es gab Erdbeeren und Kartoffeln frisch vom Feld, herrlich. Jetzt leben die Familien im Luxus, mit renovierten Wohngebäuden, Werkstätten, Gruppenraum und grosser Gemeinschaftsküche, neben dem grossen Gewächshaus und Garten rund herum. Man sieht, wie viel Arbeit und Liebe über die letzten 30 Jahre in die Liegenschaften gesteckt wurde. Wir hätten auch bei Johannes in der gleichen Wohngemeinschaft unterkommen können, aber Dorte war schneller ;-) Wir haben ihn und seine Familie dann am Abend doch noch bei einem Schluck Wein kennen lernen können und er hat uns wertvolle Tipps für die Weiterfahrt gegeben.

Heiner hat uns von dem Projekt Makvärket erzählt, bei dem eine alte Ziegelei durch Freiwilligenarbeit in ein Kulturzentrum verwandelt wird. So haben wir beschlossen, einen kleinen Umweg zu machen und es nicht bereut. Wir wurden sofort herzlich empfangen und durch das riesige Areal geführt (ca. 10'000 m2). Einige Räume sind schon seit Jahren in brauchbarem Zustand und werden für verschiedene Zwecke verwendet. Ein Zwischengang zwischen zwei Gebäuden wurde diesen Frühling von deutschen Wanderarbeitern mit einem Glasdach versehen, und jetzt beginnen die Aufräumarbeiten darunter. Auch der Garten will bewirtschaftet werden, so hat eine der Freiwilligen den Tag damit verbracht, Brennesseln mit der Sense zu entfernen, während wieder andere das Dach über der Metallwerkstatt abdecken. Die Ziegel werden natürlich für andere Projekte aufbewahrt, wie auch alles Holz und andere Baumaterialien, die bei Abrissarbeiten anfallen. Beim Frühstück durften wir miterleben, wie sich die bunt zusammen gewürfelte Gruppe bei einer kurzen Sitzung effizient organisierte. Jeder durfte selbst entscheiden, was er oder sie an diesem Tag machen würde und es fand sich auch für jedes Essen und Aufrämen ein Freiwiliger. Das Essen kam zu einem grossen Teil vom Grossmarkt in Kopenhagen, wo sie einmal wöchentlich übrig gebliebene Lebensmittel abholen konnten. Dann wurde auch hinter den Supermärkten Essen aus dem Abfall geholt und ein kleiner Teil der Lebensmittel (vor allem das Bier) wurde gekauft. Entsprechend kreativ muss der jeweilige Koch sein, denn die Lebensmittel müsen schnell verarbereitet werden.

Nach diesen inspirierenden Tagen war es schon fast erholsam, beim Fahren durch die hüglige und ländliche Gegend im Süden von Fyn mit seinen alten, strohbedeckten Bauernhöfen und Stränden, seinen Gedanken nachzuhängen.

Zwei mal haben wir dabei in sogenannten Shelters übernachtet, einfachen Campingplätzen, privat, auf einem Bauernhof oder von Vereinen (z.B. Pfadi oder ein Ruderverein, etc.), wo man für unter fünf Franken pro Person über Nacht bleiben kann. Diese Plätze gibt es sozusagen überall, sind meistens mit einer Toilette ausgestattet, manchmal sogar mit einer kalten Dusche. Sie sind so zu sagen die dänische Art, “wild” zu campen. Diese Plätze sind für Radfahrer und Wanderer gedacht, werden aber auch gerne von Familien genutzt, um einfach mal ein Wochenende mit den Kindern im Wald zu verbringen, mit Lagerfeuer und ohne Internet.

Seit einigen Tagen sind wir nun auf dem dänischen Festland und mit einem kleinen Abstecher ins Seenhochland (wir waren auf 147 m.ü.M., es gab sogar einen Bergkiosk und einen Aussichtsturm), sind wir nach Aarhus gekommen.

Trotz Gegenwind und den hohen Preisen für Lebensmittel und Campingplätze (wir sprechen hier durchaus von Schweizer Preisen), gefällt es uns sehr gut in Dänemark. Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Menschen sind offen und durchweg freundlich und die Autofahrer rücksichtsvoll. Es gibt reichlich Gelegenheit für Sightseeing (was wir aber kaum gemacht haben), man sieht dem Land seine reiche Vergangenheit als grosses Königreich an.

Jütland (Dänemark) und Nordfriesland (Deutschland)

Hallo und guten Tag!

Wie ihr lesen könnt, wir sind in Deutschland angekommen!

Aber von vorne: Seit Stockholm und dem Roskilde Festival waren wir etwas übersättigt mit Eindrücken und wollten nur Velofahren. In Aarhus haben wir dann zum ersten Mal seit langem wieder Sight-seeing gemacht. Wir haben die Altstadt erkundet und waren dann im Frauenmuseum. Dänemark kennt das Frauenstimmrecht seit mehr als 100 Jahren und doch gibt es auch hier immer noch einen markanten Lohnunterschied und wenige Frauen in der Regierung. Die Ausstellung ging aber auch nicht nur um politische Themen, sondern auch biologische und kulturelle Unterschiede. Wir haben gelernt, dass Mädchen und Jungen unterschiedlich spielen, dieses weibliche oder männliche Verhalten aber durch die Eltern verstärkt oder abgeschwächt werden kann. Auch werden von der Gesellschaft immer noch die männlichen Attribute bevorzugt, wie Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen, während Attribute wie Einfühlungsvermögen, Grosszügigkeit, Kompromisssuchend als weniger positiv gewertet wird.

Danach sind sind wir in der Universität zur Mensa der Mathematiker essen gegangen. Das Essen war erstaunlich gut, für Mensaessen, günstig (Sie kennen keine verschiedenen Preise für Studenten und Externe) und das Ambiente ziemlich 80er Jahre.

Die Mensa war gleich neben dem Wissenschaftsmuseum, wo es Ausstellungen zu verschiedenen Entdeckungen der Chemie und Physik, aber auch über Ernährung und zu Epidemien gab. Wir wären fast eingeschlossen worden, weil wir die Zeit vergessen haben (was uns 20 min extra Besuchszeit brachte).

Am Abend hat sich Christoph wieder ums Kontakteknüpfen im örtlichen Hackerspace, dem Open Space Aarhus, gekümmert. Dieser Space ist von der grösseren Sorte mit dem dementsprechenden grossen Material und Schrottlager, Drehbank, CNC Fräse, diversen 3D Druckern und einer recht grossen aktiven Community. War ein netter gemütlicher Abend wo wir viel austauschen und diskutieren konnten.

Kurz nach Aarhus haben wir dann die 4000 km geknackt. Das tönt nach viel, fühlt sich aber gar nicht so an. Gleichzeitig ist Polen und das Baltikum schon wieder weit weg.

Nur kurz gesehen haben wir Viborg, eine kleine, mittelalterliche Stadt mit einer mit Wandmalereien reich verzierten Kirche. Auf dem Marktplatz waren mehrere Statuen von Bettlern und Obdachlosen ausgestellt. Hier ist mir bewusst geworden, dass wir in Dänemark ähnlich wenige Bettler und Obdachlose antreffen, wie in der Schweiz (im krassen Kontrast zu Hamburg, wo es unerwartet viele Obdachlose unter Brücken und über die ganze Stadt verteilt gibt). Ob es aber tatsächlich weniger Obdachlose gibt, oder diese nur aus den öffentlichen Zentren vertrieben werden, wissen wir nicht.

An diesem Abend haben wir ein kleines Shelter gefunden, das zu einem Kulturzentrum gehört. Es hatte sogar eine heisse Dusche und eine tolle Aussicht. Und das für umgerechnet knapp 9 Franken zu zweit!

Seit Aarhus hat sich die Landschaft komplett geändert. Wir sind von grünen Hügeln an die flache Nordseeküste gefahren. Dabei haben wir uns erst mit Gegenwind in den Norden gekämpft, um die Strecke der Nordsee entlang etwas zu verlängern. Im Landesinnern gibt es sehr viel Landwirtschaft und so konnten wir dann bei Bauern im Garten übernachten und frische Kartoffeln und Beeren kaufen. Die Nordseeküste wiederum ist eher sandig, mit grossen Sanddünen zum Meer hin.

In den Sanddünen versteckt gibt es unzählige Bunker, die die Deutschen während der Besetzung Dänemarks im zweiten Weltkrieg zur Verteidung der Nordseeküste gebaut haben.

Es gibt auch, vor allem im nördlicheren Teil, immer wieder Klippen, so wie der Bovbjerg, wo ein eindrücklicher Leuchtturm steht. Noch mehr beeindruckt haben uns die Gleitschirmflieger, die hier den Aufwind an der Klippe nutzen. Sie starten auf der Klippe, gleiten hin und her und landen schliesslich wieder auf der Klippe. Einige der Flieger machen schon fast Kunststücke mit dem Gleitschirm und fliegen Slalom durch die Touristen durch. Nicht erstaunlich, hier fanden wir die höchste Dichte an Schweizer Autos seit drei Monaten vor…

Am nächsten Morgen hat es geregnet. Das hat die dänische Familie, die mit uns das kleine Shelter an einem kleinen urigen Hafen geteilt hat, kaum gestört. Die haben einfach Regenschirme aufgemacht und sich beim Frühstück nicht weiter stören lassen. Frei nach dem Motto, warte lange genug, dann hört es schon wieder auf. Und so war es auch, am Nachmittag schien die Sonne wieder und wir hatten zum ersten Mal in Dänemark Rückenwind! Durchschnittsgeschwindigkeit 20.5 km/h und nicht einmal anstrengend.

Am nächsten Tag sind wir auch schon an die deutsche Grenze gekommen. Unterwegs haben wir Jong Biao kennen gelernt, einen chinesischen Studenten aus Norwegen, der ein Visum für England bekommen hat und nun mit dem Velo dorthin fährt. Er hat uns an dem Tag begleitet, was sehr spannend war.

Die Strecke entlang dem Eurovelo 12 (Nordseeküstenradweg) war leider ziemlich langweilig, wir sind nur dem Deich gefolgt, der vorwiegend von Schafen bevölkert ist.

In Dagebüll haben wir Jochen aus dem Allgäu kennen gelernt, der eine Deutschlandtour mit dem Fahrrad macht. Das beeindruckende ist, dass er nur ein Bein hat und, dank dem Klickpedal, ein ganz normales Velo fährt. Schwierig werde es, wenn es zu steil wird und er müsse etwas mehr auf das gleichmässige verteilen des Gewicht auf dem Velo achten.

Die restlichen 2 Tage nach Hamburg waren vergleichsweise ereignislos, immer dem Damm entlang, das Wattenmeer und die Schafe ein ständiger Begleiter. Wir hatten die ersten Sommertage dieses Jahr, natürlich mit Gewitter (zum Glück mit Rückenwind, so haben wir den Campingplatz in Rekordzeit erreicht).

Eingangs Hamburg gab es dann einem Platten bei Angela (Scherben) und Christoph ist kurz vor dem Ziel gestürzt, weil ein Lastwagen auf dem Veloweg parkiert hatte und er beim Ausweichen an der Kante hängen geblieben ist. Ausser blauen Flecken und Schrammen am Ellenbogen ist aber zum Glück nichts passiert.

Wir sind bei Angelas Cousine an der Reeperbahn, mitten in Hamburg, untergekommen. Angeschaut haben wir uns nicht viel, waren aber einen Abend lang mit Lars Knoblauch von Metroplan (Planerfirma des Neubaus von Just) unterwegs. Für alle, die Lars kennen, er sieht echt umwerfend aus! Der Abend war sehr gemütlich, mit leckerem Essen, Cocktails in der Strandbar am Hafen, Wasser- und Lichtspiel im Planten en Blomen (Park), und ein Bierchen und Eis an der Alster.

Jetzt heisst es bei Angelas Onkel in Bergedorf einen Tag ausspannen, Wäsche und Fahrräder waschen und Kleinigkeiten reparieren, bevor es weiter Richtung Holland geht, nächster Halt: Bremen.

Norddeutschland und SHA

Von Hamburg ging es zuerst nach Bremen, eine kleinere sehr wohnliche Stadt mit netten Warmshowers, so ähnlich war es dann auch in Oldenburg, wo wir wieder mal nach Ratschlägen ausgefragt wurden, weil das lokale Warmshowers Paar sich gerade auf eine 12 monatige Weltreise per Fahrrad vorbereitet.

In Münster gab es dann nochmals Verwandte zu besuchen, die uns dann zur Skulpturen Ausstellung mitgenommen haben, die nur alle zehn Jahre stattfindet.

Danach ging es auf direktem Weg nach Zeewolde zum SHA (Still Hacking Anyway), das alle vier Jahre stattfindende Hackercamp in den Niederlanden. Wir konnten da wieder mal ausgiebig Schweizerdeutsch reden; haben gelernt, dass es um die Sicherheit von Solarwecshelrichter schlecht steht und dass auch vorsichtige Hacker gefälschte Chips geliefert bekommen; haben miterlebt, dass Niederländer nach 9 Tagen mit Kartoffeln auf dem Speiseplan glücklicher sind als vorher und hatten schlicht eine spannende Zeit.

Vorige Etappe: Finnland und Stockholm
Nächste Etappe: Grossbritannien

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